Für Thomas Mann war die Sache klar: "Jemand wie ich sollte selbstverständlich keine Kinder in die Welt setzen", befand der Großdichter. Seine Frau Katia hingegen sah es genau umgekehrt: Sie habe, sagte sie am Ende ihres Lebens, überhaupt nur deshalb geheiratet, weil sie Kinder wollte. Aus dieser besonderen Ausgangslage erwuchs Deutschlands berühmteste Familie mit einer an Dramatik nicht zu überbietenden Geschichte. Andrea Wüstner beschreibt erstmals Thomas und Katia Mann als Eltern: Das zwischen distanzierter Liebe und eisiger Kälte schwankende Verhältnis von Thomas Mann zu seinen Kindern, die Qualen, die ein ungeliebtes Kind wie Golo erdulden musste, die ungewöhnlichen pädagogischen Methoden Katias, die die "Mann-Kinder" zu etwas ganz Besonderem machen sollten.
Missvergnügt hat Susanne Mayer dieses Buch wieder zugeklappt, das einen Blick auf Katia und Thomas Mann als Eltern wirft. Am meisten stört die Kritikerin der Ton, in dem das Buch gehalten ist, und die Kritikerin an eine "bekümmerte Sozialarbeiterin" erinnert, die der Familie Mann ihr Leben vorwerfe, statt es zu erzählen. Dabei verkenne sie die Vielschichtigkeit dieser Familie, auch ihr Verankertsein in den offenen 20er Jahren. Auf die vielen Vermutungen und Unterstellungen der Autorin reagiert die Kritikerin ebenfalls allergisch, am meisten auf einen Missbrauchsvorwurf gegen Thomas Mann. Grundsätzlich vermisst sie Differenziertheit und wirft der Autorin vor, gar keinen Blick für ihr Thema und dessen Tiefe zu haben. Auch hat sie den Eindruck, dass Andrea Wüsters Unbehagen der Familie Mann gegenüber mit Fortschreiten des Buches immer stärker wird.
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