Andre Kubiczek

Oben leuchten die Sterne

Roman
Cover: Oben leuchten die Sterne
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783871345272
Gebunden, 301 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Es ist Sommer. Rock und Bender, Mitte Dreißig, die in Berlin weder beruflich noch privat Fuß fassen können, beschließen eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Als Bender vom Tod seines Großvaters erfährt, nutzen die beiden die Gelegenheit und reisen zur Trauerfeier in den Harz. Dort stellt sich heraus, dass der Großvater offenbar nicht nur der einfache Arbeiter im heute stillgelegten Stahlwerk war, für den ihn alle hielten. Wovon ist in seinem rätselhaften Testament die Rede? Bender macht sich auf, es herauszufinden, Rock begleitet ihn. Doch sie sind nicht die einzigen, die sich dafür interessieren ... Mit sprachlicher Meisterschaft und hintergründigem Humor erzählt Andre Kubiczek von ihrer Reise, die vom Harz aus in den Süden Deutschlands führt, durch sterbende Industriestädte und romantische Natur. Sie begegnen Rockmusikerinnen auf der Flucht, smarten Geheimagenten und manischen Künstlern - ein moderner Abenteuerroman und zugleich ein Ausflug in die Zeit des Kalten Krieges, als Berlin Frontstadt war und die Arbeiter im Osten den Aufstand versuchten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.02.2007

Nicht besonders glücklich ist Rezensentin Silja Ukena mit diesem Roman geworden, der ihr mehr versprach, als er auf seinen dreihundert Seiten schließlich gehalten hat. Nicht nur, dass sich die Handlung schnell in "Rätseln und Nebenschauplätzen verheddert", Figuren aufwändig eingeführt werden, um sie dann in Belanglosigkeiten verläppern zu lassen, auch die "eigentlichen Fragen", die das Buch aufwirft, bleiben aus Sicht der Rezensentin unbeantwortet. Dabei findet sie das Potenzial des Stoffes nicht uninteressant: gescheiterte Vertreter der Berliner Nachwende-Boheme, die in der Provinz auf der Suche nach Paradigmen für ein anderes Leben sind. Doch wirft die Rezensentin dem Autor vor, sich den aufgeworfenen Fragen nicht wirklich zu stellen. Vielleicht hätte es auch einer anderen, stringenteren Erzählform bedurft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006

Für Gisa Funck ist Andre Kubiczeks dritter Roman "Oben leuchten die Sterne" das wahre Buch über die viel beschworene "Generation Praktikum", denn die beiden Hauptfiguren, Bender und Rock, sind Studenten, die ihre Ideale längst verloren haben und sich mühsam mit Gelegenheitsjobs und mit der finanziellen Unterstützung der Eltern über Wasser halten. Als Benders Großvater stirbt, begeben sich die beiden auf eine Reise, zunächst in den Harz, dann in den Schwarzwald und schließlich in die Vergangenheit von 1953. Dieser zweite Strang, der mit der Wendung ins Historische in die Geschichte kommt und der von der Stasi-Tätigkeit des Großvaters und von den Machenschaften eines zweifelhaften Dr. Winter handelt, der einen privaten Geheimdienst unterhält, ist der Rezensentin viel zu ausführlich und mit allzu vielen Nebenfiguren und Handlungsschlingen geraten. Vielleicht hat es Kubiczek, der ohnehin zur Überspitzung und tollkühnen Übertreibung neigt, ein bisschen übertrieben, so Funck, die dennoch versichert, dass der Roman mitreißend und ungemein fesselnd ist. Ihr gefällt der "rabenschwarze Humor" des Autors, der seine studentischen Helden stets im Dunkeln tappen lässt und mit den Machenschaften Dr. Winters eine "beunruhigende Nachwirkung" seines Romans erzielt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2006

Stilistisch und inhaltlich nicht mehr so treffsicher wie frühere, aber mit manch unverwechselbarer Sentenz immer noch böse genug findet Rezensentin Uta Beiküfner den dritten Roman von Andre Kubiczek. Der Anfang der Geschichte über zwei Thirtysomethings, die sich auf den Weg ins unbestimmte Erwachsensein machen, begeistert sie noch mit ins Herz der Gegenwart und der deutschen Wirklichkeit zielenden Beobachtungen und einem mitreißenden Sound. Aber nach gelungenem Teil eins folgt aus ihrer Sicht der Absturz in waberndes Lamentieren über Weltanschauliches ohne Blick auf Ganze. Der Versuch, die innere Sicherheit Deutschlands mit der existenziellen Unsicherheit seiner Bewohner zusammen zu denken, scheitert aus ihrer Sicht. Denn bald scheint sich die Geschichte recht kopflos in der Vergangenheit verirrt zu haben. Und obwohl der Rezensentin theoretisch klar ist, dass dieser Schriftsteller mit seinem Rekurs auf das Jahr 1953 eine Art Historie des westdeutschen Sicherheitsdenkens im Auge hat, mündet für sie trotzdem "gegenwärtiger Klamauk" in "historischem Quatsch". Übel nimmt sie dem Autor auch die "Übertrumpfungsästhetik", die aus "flott Geschriebenem" in ihren Augen "hochtouriges Gespinne" macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006

Andre Kubiczek hat kein Problem damit, seine Protagonisten gnadenlos zu entlarven und sie in ihrer ganzen Schäbigkeit und Lächerlichkeit ohne auch nur die Spur eines "guten Kerns" darzustellen, stellt Ijoma Mangold fasziniert fest. Wunderbar "komisch und aggressiv" findet der Rezensent diesen Roman, in dem die zwei Langzeitstudenten Rock und Bender sich aus Berlin auf den Weg in den Harz machen, um das Vermächtnis von Großvater Bender zu sichten, was sie direkt zu den antikommunistischen Aktivitäten eines gewissen Dr. Winter in den Jahren zwischen 1945 und 1953 führt. Auch wenn der Rezensent der Meinung ist, die beiden Zeitebenen der Handlung hätten geschickter miteinander verknüpft werden können, so kommt er nicht umhin, die atmosphärisch dichten Schilderungen der Jahre nach 1945 oder auch der Stasiarbeit in der DDR als grandios zu preisen. Und so lässt sich Mangold in seinem Vergnügen an der Lektüre durch Schwächen der Konstruktion nicht stören, sondern genießt in vollen Zügen, dass es bei Kubiczek "drunter und drüber" geht.
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