Olaf Kühl

Tote Tiere

Roman
Cover: Tote Tiere
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783871347252
Gebunden, 286 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Zwei Männer fassen einen irrwitzigen Plan: Sie wollen den berühmtesten politischen Gefangenen der Welt befreien, Michail Chodorkowski, seit 2005 in Südostsibirien inhaftiert. Die edlen Retter, ein Deutscher und ein Pole, sind alte Freunde. Grund ihrer Mission: Der eine fühlt sich gerade seelisch etwas "eingeklemmt", der andere hat schon lange für keine Sache mehr so richtig "gebrannt". Also erzählen sie ihren Frauen irgendwas, üben Schießen (auf Bierdosen) und brechen auf, über Moskau und Irkutsk und quer durch die Tundra reisen sie bis nach Sibirien.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2012

Abenteuer-, Reiseroman, Thriller und Männerfreundschaftskiste zusammen nimmt sich Marta Kijoswka mit diesem Debütroman des Russland-Experten und Stasiuk-Übersetzers Olaf Kühl mit nach Hause. In den beiden Hauptfiguren, die sich aufmachen, den Regimekritiker Michail Chodorkowski aus seiner sibirischen Haft zu befreien, erkennt sie unschwer den Autor selbst und seinen Freund Stasiuk. Die abenteuerliche Tour der beiden durch die Taiga bis zur chinesischen Grenze beschert der Rezensentin jede Menge geografische Details, Alltagsskizzen und ein zugleich emotionales wie kenntnisreiches Porträt Russlands. Komplex erscheint ihr das Buch, weil es vor Widersprüchen nicht kapituliert, sondern sie unaufgeregt zum Ausdruck bringt. Etwas mehr Mut zum Absurden und Satirischen hätte sie dem Autor allerdings gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011

Olaf Kühl hat sich als Übersetzer aus dem Polnischen und Russischen einen Namen gemacht und ist zudem Russland-Referent des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, weiß Christoph Schröder. Sein Debütroman, der auf einer gemeinsamen Reise mit seinem Freund, dem polnischen Autor Andrzej Stasiuk nach Sibirien basiert, hat den Rezensenten auch von Kühls Qualitäten als Schriftsteller vollkommen überzeugt. Der Autor erzählt von der Reise zweier Freunde, dem Deutschen Konrad und seinem polnischen Freund Andrzej, die den inhaftierten Oligarchen Michail Chodorkowski befreien wollen. Es ist Abenteuerfahrt, Reisereportage und Krimi in einem und das Buch lebt vor allem von den sich geschickt abwechselnden unterschiedlichen Perspektiven und Geisteshaltungen, findet der Rezensent. So sehen die Freunde Chodorkowski als "Hoffnungssymbol", die Russen jedoch, mit denen sie sich unterhalten, verurteilen den Inhaftierten als "Verräter" und Volksfeind, erklärt der Rezensent. So wird der Roman zur Reflexion über den Zwiespalt zwischen "eigener und fremder Weltwahrnehmung", der sich auch zwischen den Reisenden auftut, so Schröder gefesselt.

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