Andre Gorz

Brief an D.

Geschichte einer Liebe
Cover: Brief an D.
Rotpunktverlag, Zürich 2007
ISBN 9783858693532
Gebunden, 100 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. "Du wirst zweiundachtzig. Du bist sechs Zentimeter kleiner geworden, du wiegst nur noch fünfundvierzig Kilo, und immer noch bist du schön, graziös und begehrenswert. Seit achtundfünfzig Jahren leben wir nun zusammen, und ich liebe dich mehr denn je. Wieder trage ich eine verzehrende Leere in meiner Brust, die einzig die Wärme deines Körpers an dem meinen auszufüllen vermag."
So beginnt diese "Geschichte einer Liebe", verfasst vom 83-jährigen Philosophen und Sozialtheoretiker Andre Gorz in Form eines langen Briefes. Er rekapituliert die 58 Jahre des Zusammenlebens mit D., einer Engländerin, die er 1947 in Lausanne kennen gelernt hatte und die dann seine Frau wurde. Wäre ihm und D. wundersamerweise ein zweites Leben beschieden, schreibt Gorz am Schluss seines Briefes, würden sie es wieder zusammen verbringen.
Entstanden ist ein Rückblick der ganz besonderen Art auf ein gutes halbes Jahrhundert philosophisch-politischer und publizistischer Arbeit, bei der D. ihm immer zur Seite stand. Doch ganz am Anfang dieses Rückblicks steht auch die Frage: "Warum nur bist du in dem, was ich geschrieben habe, so wenig präsent, während unsere Verbindung doch das Wichtigste in meinem Leben gewesen ist?"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2007

Viel mehr als eine Liebeserklärung erkennt Friederike Reents in diesem letzten Buch von Andre Gorz. "Es ist seine Lebenserklärung", befindet sie und entwickelt für uns umgekehrt aus der Geschichte eines Lebens die Geschichte einer Liebe. Sie beschreibt die Ängste, mit denen Gorz lebenslang zu kämpfen hatte und die einzig die unumstößliche lebenslange Liebe zu seiner Frau zu relativieren imstande war. Für Reents verdeutlicht das Buch, wieso die Ehe ein Bund fürs Leben genannt wird, und dass eine glückliche Liebe dem Tod die Trauer nehmen kann.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2007

Bewegt zeigt sich Jürgen Ritte von Andre Gorz' "Brief an D.", der nicht nur ein Denkmal der Liebe zu seiner Frau Dorine und ein Rückblick auf ihr gemeinsames Leben ist, sondern die Liebe auch als Bedingung von Gorz' journalistischen und philosophischen Werks beschreibt. An das antike Paar Philemon und Baucis fühlt sich der Rezensent erinnert, denen die Götter das Geschenk machten, zur selben Zeit zu sterben, denn der Autor und seine schwer kranke Frau haben sich vor zwei Wochen gemeinsam das Leben genommen, wie er berichtet. Nicht nur das unbedingte Bekenntnis zur ehelichen Treue macht dieses Paar so ungewöhnlich, findet der Rezensent, der von der Offenheit und Innigkeit dieses Liebesbriefes sehr berührt ist, die doch im Werk von Gorz keine philosophische Begründung erfährt. Ritte kann sich am Ende aber doch eines leisen Unbehagens nicht erwehren, weil er sich fragt, ob die intellektuelle Existenz des Philosophen nicht vielleicht auf Kosten Dorines gegangen sei, ohne die, wie Gorz selbst betont, sein Werk nicht hätte entstehen können.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.09.2007

Rezensentin Elisabeth von Thadden bespricht den schmalen Band des Philosophen Andre Gorz, der in einem "Brief an D.", über seine seit 60 Jahren andauernde ungewöhnliche Liebe zu seiner Ehefrau schreibt, und sie erzählt in ihrer Kritik auch von einem Besuch bei dem Paar in einem kleinen Dorf in der Champagne. Ein Verkaufsschlager in Frankreich, wird das Buch auch in der deutschen Ausgabe viele Leser finden, so von Thadden überzeugt. Es ist ein vieles diskret verschweigendes Buch, das das Wunder der über die Zeit anhaltenden Liebe und die existentielle Wichtigkeit dieses einen Menschen für den Sozialphilosophen Gorz beschwört, erklärt die Rezensentin bezaubert. Der ehemalige Mitarbeiter Jean Paul Sartres schreibt dabei weder über ihre Kinderlosigkeit noch berührt er Themen wie sexuelle Treue - dazu gibt es nichts zu sagen, meint Gorz im Gespräch. Er habe sich jedoch der Frage stellen müssen, warum seine Frau in seinem gedruckten Werk, auch in seiner Autobiografie "Der Verräter", so gar nicht präsent ist.