Romain Gary

Du hast das Leben vor dir

Roman
Cover: Du hast das Leben vor dir
Rotpunktverlag, Zürich 2017
ISBN 9783858697615
Gebunden, 248 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Christoph Roeber. Der Araberjunge Momo lebt im Pariser Stadtviertel Belleville gemeinsam mit anderen Ziehkindern bei Madame Rosa, einer alten Prostituierten, die als Jüdin in Auschwitz war. Unwissend, wie alt er ist, wer seine Eltern sind, macht er sich auf ihre Äußerungen und die anderen Härten des Lebens seinen Reim. Mit großen Augen streunt er durch die Straßen, lässt sich von reichen Frauen ansprechen. Mit Monsieur Hamil, dem Teppichhändler, der alles gesehen hat, tauscht er sich über die Liebe aus, und die angeschlagene Madame Rosa, die einen Aufzug verdient hätte, hievt er die Stufen des sechsstöckigen Hauses hinauf, in dem Huren, Transvestiten, Waisen, Schwarze und Araber zusammenleben. Als ihr Tod naht, begleitet er sie in ihr "jüdisches Versteck" im Keller. Du hast das Leben vor dir löste 1975 in der französischen Literaturwelt einen nie da gewesenen Skandal aus. Romain Gary hatte seinen Roman über die Beziehung zwischen dem Araberjungen und der jüdischen Ex-Prostituierten unter dem Pseudonym Émile Ajar veröffentlicht und erhielt dafür zum zweiten Mal den Prix Goncourt - was die Regeln des renommierten Literaturpreises verbieten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017

Rezensent Volker Breidecker freut sich über Christoph Roebers gelungene Neuübersetzung von Romain Garys einst mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman "Du hast das Leben vor dir". Erzählt wird die Geschichte des arabischen Waisenkindes Momo, das gemeinsam mit dem jüdischen Ziehkind Moses bei einer französischen Shoah-Überlebenden und ehemaligen Prostituierten aufwächst, der er auch auf dem Sterbebett nicht von der Stelle weicht, resümiert der Kritiker. Ein wunderbarer Bildungsroman über das Gefühl, fremd zu sein, lobt der Rezensent, den auch der Wechsel zwischen den Idiomen beeindruckt hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.10.2017

So "zärtlich" wie in Romain Garys nun in einer vorzüglichen Neuübersetzung vorliegendem Roman "Du hast das Leben vor dir" hat Rezensentin Anna Prizkau noch nie von Vorurteilen gegenüber Afrikaner, Araber, Juden und Franzosen gelesen. In der Geschichte um den kleinen arabischen Waisenjungen Momo, der bei der Ex-Prostituierten und Holocaust-Überlebenden Madame Rosa aufwächst, blickt die Kritikerin in das Pariser Viertel Belleville in den siebziger Jahren, erlebt die Armut, aber auch das gesellige und idyllische Zusammenleben der verschiedenen Religionen und Kulturen miteinander und begegnet zahlreichen kuriosen Figuren. Großartig, wie Gary die Geschichte politisch inkorrekt, aber ganz ohne Folklore aus der kindlichen Perspektive des kleinen Momo erzählt, schwärmt die Rezensentin.