Anatoli Asolski erzählt die Lebensgeschichte zweier ungleicher, hochbegabter junger Forscher in den Zeiten der russischen Diktatur: Der eine stark, frech, spielsüchtig, Held und Rächer; der andere dem Leben fremd, von Wahn und Neurose bedrohtes Genie. Die beiden sind besessen zu ergründen, welche biologische Keimform der menschlichen Individualität zugrunde liegt und für Wiederholung und Reproduktion sorgt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2000
Ulrich M. Schmid ist tief beeindruckt von diesem "raffinierten Sowjetkrimi", für den der damals 69jährige Autor 1997 den angehenen Booker-Preis erhielt. Der Roman basiert auf einem "Was wäre wenn?"-Gedankenspiel, so Schmid: Angenommen, nicht die Amerikaner hätte 1953 die Grundlagen der modernen Genetik entdeckt, sondern die Russen. Tatsächlich war in Rußland die Genforschung lange verpönt, weil Vererbungstheorien der sozialistischen Staatsdoktrin - Erziehung des "neuen Menschen" - widersprachen, beschreibt Schmid den realistischen Hintergrund der Erzählung. Noch interessanter findet er Asolskis Umsetzung "genetischer Theoreme in erzählerische Strukturen". Immer wieder tauche der Begriff "Zelle" auf - als sehr reale Gefängniszelle, aber auch als "geheimnisvolle biologische Konstitution von Identität". Vehement verteidigt er den Autor gegen einen russischen Kritiker, der Asolski "Rückfall in sozrealistische Klischees" vorgeworfen hat: Das seien keine Klischees sondern "geradezu postmoderne Aktualität".
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