"Die Gentechnik wird uns weder bedrohen noch erlösen" "Dolly und die Folgen", "Was ist dran an den Schreckenstechnologien?", "Entgrenzte Wissenschaft" - dazu und zu anderen brisanten Themen bezieht der Biologe Hubert Markl, Präsident der Max Planck-Gesellschaft, hier in deutlicher Sprache Position.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.11.2002
Dass ein Biologe mit dem Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik ausgezeichnet wird, ist nach Uwe Justus Wenzel schon etwas Besonderes. Preisgekrönt wurden vor allem Markls Bemühungen als Vermittler zwischen Wissenschaft und interessierten Laien, die im vorliegenden Band - mit Texten aus Tageszeitungen, Magazinen, Festschriften etc. - dokumentiert werden. Markls versammelte Beiträge zur aktuellen biopolitischen Debatte weisen laut Wenzel bei näherer Betrachtung eine Menge Widersprüche auf. Zunächst einmal charakterisiert der Rezensent den Autor als Ultraliberalen, der die Begriffe von Menschenwürde und Selbstbestimmung zu einer "genetischen Selbstbestimmung" ausweitet, was im Sinne dieses Liberalen alles möglich macht, es nämlich so zu belassen wie bisher wie auch das menschliche Genom umzumodeln. Infolgedessen ziehe Markl gegen die sogenannten "Genfundamentalisten" zu Felde, kritisiert Wenzel, und fange seinerseits an, mit unscharfen Begriffen zu hantieren, die Machtverhältnisse und Interessenskonstellationen nicht mehr hinterfragen würden. Markls Polemik gegenüber so einigen Ungereimtheiten der Genkritiker sei ja durchaus berechtigt, schließt Wenzel, dürfe aber die kritische Wahrnehmung der eigenen Seite nicht ausblenden.
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