Aus dem Französischen von Christian Hansen. Ist es ein Naturgesetz oder eine geschichtliche Entwicklung, die die Menschheit dazu verdammt, sich im Namen der Identität gegenseitig umzubringen? Werden unsere Gesellschaften unaufhörlichen Spannungen bis hin zu offenen Gewaltausbrüchen ausgesetzt sein, nur weil die in ihr vereinten Mitglieder nicht alle die gleiche Religion, die gleiche Hautfarbe oder die gleiche Herkunft haben? Amin Maalouf, dessen Identität sich als arabischer Christ und in Frankreich lebender Libanese aus mehreren Zugehörigkeiten konsitutiert, beobachtet die mörderischen Auswirkungen von Fundamentalismus und Ausgrenzung. Beunruhigt angesichts dieses fatalen Mechanismus, aber nicht ohne Hoffnung, ist Maaloufs Essay ein Appell an Toleranz, Integration und Pluralität. Für dieses Buch wurde der Autor 1999 mit dem Charles-Veillon-Preis ausgezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2001
Michael Wirth zeigt sich diesem Buch gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt, allerdings räumt er ein, dass Maaloufs These, die arabische Welt fühle sich - auch aufgrund der Geschichte - vom Westen bevormundet, nicht wirklich neu ist. Auch die Vorschläge für bessere Beziehungen zwischen Islam und Christentum "kommen über den bloßen Appell nicht hinaus", so der Rezensent. Doch insgesamt hat Wirth dieses Buch offenbar mit großem Gewinn gelesen. Nicht nur, dass er Maalouf als prädestiniert für dieses Thema erachtet (der Autor gehört, so Wirth, einer griechisch-katholischen Glaubensgemeinschaft im Libanon an und lebt in Paris). Besonders interessant scheint der Rezensent die vom Autor dargestellten historischen Hintergründe für dieses Gefühl einer Bevormundung zu finden, etwa wenn Maalouf auf westliche Einmischung in Ägypten im 19. Jahrhundert eingeht.
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