Aus dem Englischen von Christoph Trunk. Die Politik des 20. Jahrhunderts ist ein Kapitel der Religionsgeschichte. Mit dieser Einsicht leitet John Gray seinen Abriss moderner politischer Ideen von der Antike bis in die Gegenwart ein. Furios und in verblüffender Evidenz stellt Gray dar, wie sehr sich islamische oder christliche Fundamentalisten und neoliberale Turbokapitalisten, die Jakobiner im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts, die Nationalsozialisten und die US-amerikanische Bush-Regierung ähneln. Die von Utopien geschundene Welt lässt sich im 21. Jahrhundert nur noch durch eine globale Realpolitik vor dem Untergang bewahren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.09.2009
Rezensent Jens-Christian Rabe begrüßt John Grays Buch "Politik der Apokalypse", das nun endlich auf Deutsch vorliegt. Er würdigt den britischen Philosophen als einen der "umtriebigsten, originellsten und streitbarsten Denker" der Gegenwart. Der deutsche Untertitel des Buchs, "Wie die Religion die Welt in die Krise stürzt", ist in seinen Augen allerdings völlig daneben. Von Autoren wie Richard Dawkins und deren Religionsbashing sieht er Gray meilenweit entfernt. Dieser betrachte nicht die Religion, sondern ihre politischen Pervertierungen als Problem. Der Ansatz des Autors, die utopischen Projekte und den Fortschrittsglauben der von Umbrüchen geprägten letzten Jahrhunderte aus der Vorstellung eines eschatologischen, teleologischen Ende der Geschichte zu deuten, scheint ihm zwar zunächst etwas "konventionell". Der "wilde Interpretations-Ritt" durch politische Ideen und ihre Geschichte vom Sowjetkommunismus über den Nationalsozialismus bis zu Thatchers Konservativismus, dem Neoliberalismus und dem Neokonservativismus hat Rabe aber überaus beeindruckt. Dennoch zeigt er sich auch kritisch. So hält er dem Autor vor, "eine Menge über einen Kamm zu scheren". Der enorme argumentative Schwung Grays gleicht für Rabe allerdings vieles aus.
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