Aus dem Französischen von Lis Künzli. In seinem bisher persönlichsten Buch überlässt Amin Maalouf einem Mann das Wort, der sich verraten fühlt von seinem Land, seinen Freunden, seinen Träumen. Mitten in der Nacht wird der in Paris lebende Adam durch einen Anruf aus dem Schlaf gerissen: Sein Jugendfreund Mourad liegt im Sterben und wünscht ihn noch ein letztes Mal zu sehen. So reist Adam am kommenden Morgen zurück in den Libanon, den er in den 1970er Jahren verließ und seither nie wieder betreten hat. Doch er kommt zu spät, als er eintrifft, ist Mourad bereits tot. Adam will noch nicht zurück nach Paris und quartiert sich im Hotel der schönen Sémiramis ein. Als er beginnt, seine Erinnerungen niederzuschreiben, wird die Reise Seite für Seite zu einer Begegnung mit vergangenen Zeiten und einer leidenschaftlichen Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2014
Amin Maaloufs Romane sind Weltliteratur, meint Rezensent Karl-Markus Gauß und schließt auch den neuen Roman "Die Verunsicherten" nach der Lektüre mit in dieses Urteil ein. Der Kritiker taucht hier in eine auf zwei Zeitebenen spielende Erzählung, die zudem zahlreiche philosophische und historische Exkurse enthält. Er lernt in diesem herausragenden Roman eine Gruppe von Freunden kennen, die jüdisch, christlich, muslimisch oder atheistisch, alle im Libanon aufwachsen, ihren Träumen, Plänen und der kulturellen Vielfalt nachgehen - bis sie im Bürgerkrieg aus unterschiedlichen Gründen nach und nach das Land verlassen. Als sie sich nach 25 Jahren in Beirut wiedertreffen, werden sie mit dem Verlust ihrer Heimat und ihrer einstigen Träume konfrontiert, informiert der Rezensent, der Maalouf insbesondere für sein Vermögen sowohl spannend als auch gehaltvoll zu erzählen, lobt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.06.2014
Ulrich Seidler findet Amin Maaloufs "Die Verunsicherten" zwar durchaus unterhaltsam, nur etwas mehr Komplexität hätte dem Roman in seinen Augen gutgetan. Zu ordentlich sind ihm die Charaktere durchmischt, zu vorhersehbar die Wendungen der Geschichte, zu prätentiös die eingestreuten Beschreibungen der politischen Lage im Libanon. Im Libanon, wo Maalouf selbst aufgewachsen ist, spielt der Großteil des Buches, berichtet Seidler: Adam, der im Bürgerkrieg der Siebzigerjahre "seine moralische Integrität ins Exil" gerettet hatte, bekommt einen Anruf von einem ehemaligen Freund, der im Sterben liegt und Aussöhnung sucht, Adam reist in die alte Heimat und wird mit seinen Erinnerungen konfrontiert, fasst der Rezensent zusammen. Die Wirklichkeit bekommt Maalouf in diesem Roman nicht zu fassen, aber das muss er ja auch nicht unbedingt, findet Seidler.
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