Aus dem Russischen von Andrea Wöhr und Fedor B. Poljakov. Die Freiheit des Westens ist ein relativer Wert. Denn auch im amerikanischen Exil befand sich Solschenizyn zwischen zwei Mühlsteinen: Hier beschuldigte man ihn des großrussischen Nationalimus und Antisemitismus. Moskau dagegen hielt ihn für einen Agenten der CIA, weil seine Honorare für "Archipel Gulag" in einen Hilfsfonds für die Familien politisch Verfolgter flossen. Dieser neue Band der Erinnerungen des Literaturnobelpreisträgers erzählt von seinen Begegnungen mit Freunden und Feinden und wie ihn die durch Gorbatschow in Gang gesetzte Entwicklung nach Russland zurückbrachte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.01.2008
Diese Memoiren waren keine leichte Lektüre für Susanne Klingenstein. Angetreten, Alexander Solschenizyn als großen Literaten und politischen Denker wiederzuerkennen, erfährt sie zunächst einmal über die vielfältigen Anwürfe gegen den Autor während seines amerikanischen Exils und liest seitenweise "Zurechtrückungen". Nicht sehr angenehm, findet Klingenstein, erkennt sie darin doch die Hysterie der westlichen Welt. Erleichtert stellt sie fest, dass Solschenizyn die westliche Freiheit auch als "Gottesgabe" begreift. Klingenstein folgt seiner "eindringlichen" Darstellung dieses eher erlebnisarmen Lebensabschnitts als einer Zeit intensiver "Kopfarbeit" mit Ehrfurcht auch deshalb, weil sie weiß: All das steht mit einem Werk in Verbindung, "dessen Tiefe wir noch nicht ausgelotet haben".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2008
Nüchtern fällt Ulrich M. Schmids Besprechung von Alexander Solschenizyns Erinnerungen an seine Zeit im amerikanischen Exil aus. Er bescheinigt dem russischen Schriftsteller ein Leben voller Grenzerfahrungen, das neben einem großem literarischen Werk auch umfangreiche Memoiren hervorgebracht hat. Am vorliegenden Band hebt er besonders Solschenizyns "Verteidigung der Deutungshoheit über sein Leben" hervor. Der Autor weise diverse Interpretationen seines Lebens zurück, verwehre sich gegen Vorwürfe, rechtfertige sich für unterlassene Interviews und Reisen. Über das persönliche Leben Solschenizyns hat Schmid in diesem Buch dagegen wenig erfahren. Der plötzliche Herztod eines Sohnes etwa fülle kaum einen Absatz. In diesem Zusammenhang unterstreicht Schmid, dass man daraus nicht auf einen Mangel an Emotion schließen dürfe. Der Autor messe seinem Privatleben vielmehr schlicht keine Bedeutung zu. Deutlich wird für Schmid gleichwohl Solschenizyns Ernüchterung über die westliche Kultur, die Zerstrittenheit der russischen Emigranten und die begrenzten Wirkungsmöglichkeiten des Schriftstellers.
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