Aus dem Englischen von Holger Hanowell. Mit einem Nachwort von Barbara Korte. "Es liegt uns im Blut, dass das Schicksal jeden Moment zuschlagen kann. Also leben wir. Wir leben." Wenn Harryboy nicht gerade sein Geld verspielt, liest er Zola, bügelt Hosen und fühlt sich seltsam aufgehoben in Hackney, dem ärmsten Viertel Londons. Bis mit den Deaners eine neue Familie in seine Pension einzieht: Aufgerieben zwischen Aufstiegsträumen und Elternschaft scheitern sie auf andere Weise. Doch Harryboy wird klar, wie eng ihr Schicksal mit seinem verflochten ist. Ein leeres Versprechen gerät zu einer Achterbahnfahrt in die Untiefen des East Ends, des Krieges und seiner eigenen Vergangenheit, in deren Spuren er unerwartet auf eine noch größere Schuld stößt: auf ein Leben, das nie gelebt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2026
Rezensentin Maria Wiesner liest Alexander Barons Roman mit einem Marlowe-Charakter als Ich-Erzähler mit wachsender Spannung. Wie der Autor in diesem erstmals ins Deutsche übersetzten Buch von 1963 über einen Juden im London der Nachkriegszeit erzählt, der sich mit Pferdewetten über Wasser hält und langsam an einer aus der Zeit der deutschen Besatzung in Paris mitgeschleppten Schuld aufgefressen wird, findet Wiesner überzeugend. Die Beschreibungen des Londoner East Ends und der wache Blick des Protagonisten auf seine Umwelt erscheinen ihr beeindruckend. Die "Gewaltexplosion" am Ende baut sich im Text langsam und wirkungsvoll auf, beteuert Wiesner.
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