Hanif Kureishi

Mein Ohr an Deinem Herzen

Erinnerungen an meinen Vater
Cover: Mein Ohr an Deinem Herzen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100412140
Gebunden, 253 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Sein Vater ist schon einige Jahre tot, als Hanif Kureishi ein Manuskript entdeckt, das ein ganz anderes Licht auf das Leben des Vaters wirft. Je tiefer er in dessen Leben taucht, desto klarer wird dem Sohn, wie ähnlich er ihm ist, wie sehr er ihn liebt und immer bewundert hat. Und fast tragisch setzt der Sohn um, was dem Vater zeitlebens verwehrt bleibt: keines der vielen Bücher, die er Nacht für Nacht auf der klappernden Schreibmaschine schrieb, wurde je veröffentlicht. Dieses bewegende Memoir ist nicht nur eine Hommage an den Vater, es erzählt auch die Geschichte einer Generation zwischen den Welten und Sprachen. Und zwischen allem funkeln Hanif Kureishis scharfsinnige und witzige Gedankenblitze.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2011

Was Hanif Kureishi hier abliefert, ist in den Augen Irene Binals mehr als ein Erinnerungsbuch. Die Entdeckung und Lektüre eines unbekannten Manuskripts seines Vaters nehme Kureishi zum Anlass, sowohl sein zwiespältiges Verhältnis zu jenem als auch seine eigenen Leitthemen erneut zu reflektieren. Dem Vater, dem zu Lebzeiten nie der Durchbruch als Schriftsteller gelang, werde ein liebevolles Denkmal gesetzt und späte Gerechtigkeit zuteil. Kureishi hingegen, der erreichte, was seinem Vater versagt blieb, problematisiere im biografisch-autobiografischen Rückblick abermals seine Zerrissenheit zwischen den Kulturen, Religionen und Identitäten. An Kureishis "sprunghafter Art" stört sich die Rezensentin dieses Mal nicht. Denn dem erzeugten "Gedankenstrom" vermochte sie stets zu folgen und hat sich gerne abtreiben lassen in soziologische, psychologische und philosophische Seitenarme.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.07.2011

Christoph Bartmann erinnert hier vieles an Naipauls literarische Vater-Sohn-Beziehung. Doch anders als beim Nobelpreisträger dreht sich Hanif Kureishis Text um ein verschollen geglaubtes Romanmanuskript des Vaters, das den Erzähler zum Erinnern und Aufarbeiten der eigenen Herkunft und Berufung bewegt. Für Bartmann befreit sich der Autor damit zugleich von seinem Status innerhalb der postkolonialen Literatur, erkundet die Grenzen der Assimilation und schwelgt in Erinnerungen an das Swinging London. Weil es dem Text mitunter an Pfiff fehlt, muss der Rezensent so manche Stelle überblättern, bis er schließlich bei Kureishis Versuchen einer Bestimmung der eigenen literarischen Position wieder interessiert innehält.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2011

Tobias Döring zeigt sich multipel begeistert von Hanif Kureishis neustem, wie er findet, von Henning Ahrens klug übersetztem Buch. Für Döring ist es ein Vater-Sohn-Buch der besonderen Art, weil er die Macht der Bücher damit ermessen kann und einen Herzschlag spürt, der sich vom Vater zum Sohn fortsetzt. Die Art, wie der Autor hier erzählerisch die Zügel schleifen lässt, immer wieder abschweift zu neuen Geschichten aus seiner Familie, Immigranten im wilden London der 70er und zuvor Gastarbeiter im Nachkriegsdeutschland, gefällt Döring ebenfalls. Zumal auf Kureishis Witz Verlass ist. Das Beste am Buch aber bleibt für den Rezensenten die vom Autor aufgezeigte Verbindung zu den Ahnen, namentlich zum Vater, der sich selbst dereinst als Schriftsteller versuchte, doch erfolglos. Hier wird für Döhring sichtbar, wie sehr das Individuum doch immer schon ein Teil ist von jemand anderem und von einem größeren Ganzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.05.2011

Hanif Kureishis Vaterbuch hat für Anja Hirsch den Vorteil des nicht-fiktiven, sehr persönlichen Sprechens, das der Kultautor laut Hirsch am besten beherrscht. Es geht um eine Selbsterkundung anhand des schriftstellerischen Scheiterns des eigenen Vaters. Das Ganze hat ein tragisches Moment, das Hirsch gut nachvollziehen kann, weil sie erkennt, das wir immer schon Hineingeborene sind, hineingeboren in eine Familiengeschichte. Diese hier ist aufgespannt zwischen Vater und Sohn, aber auch zwischen Ost und West, Orient und Okzident, wie Hirsch feststellt. In der Auseinandersetzung mit dem Vater und seinen Texten schwingt für sie allerdings nicht nur eine psychische Dimension mit, auch eine politische, die des subkulturellen Londons (Kureishi ist hier geboren) der Immigranten. Für Hirsch eine nahe, authentische wie zärtliche Geschichte, die von Träumen und Sehnsüchten und gescheiterten Existenzen erzählt.