Albrecht Selge

Die trunkene Fahrt

Roman
Cover: Die trunkene Fahrt
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783871341625
Gebunden, 288 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Es beginnt als harmloser Ferienausflug im Sommer 1989: Ein übergewichtiger Musikkritiker aus Westberlin, ein weltberühmter Pianist aus Hannover und ein einfältiger Jurastudent aus Bologna wollen Südtirol abseits der touristischen Hauptrouten erkunden, geführt von einem dubiosen einheimischen Gymnasiallehrer und Auskenner. Zu viert in einen engen Fiat Panda gequetscht, kutschieren sie kreuz und quer durchs Land. Bald stellen die Reisenden fest, dass ihr Chauffeur nur ein Bein und keinen Plan hat - dafür eine Schwäche für geistige Stärkungen. So führt ihre Tour sie nicht nur zu verschlossenen Kirchen und in einsame Bergdörfer, sondern von Gasthaus zu Gasthaus. Mal heiter, mal tiefsinnig diskutieren sie über Bach, Beethoven, Literatur, Weltpolitik, Frauen und die Erschaffung der Welt aus alkalischem Salz.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.11.2016

Für Rezensent David Hugendick ist Albrecht Selges Roadnovel "Die trunkene Fahrt" ein "hochmusikalisches Kammerstück". Zwar muss der Kritiker gestehen, dass der Humor hier weniger feinsinnig daherkommt als in Selges Debütroman "Wach", genau genommen sogar eher zwischen "Bildungsdünkelkalauer" und Heinz Rühmann changiert. Auch dass die Handlung in dem Pointen-Feuerwerk bisweilen untergeht, kann der Kritiker dem Autor nur verzeihen, weil Selge seine Geschichte um einen Musikkritiker, einen Pianisten, einen Jurastudenten und einen einbeinigen Österreicher, die im Jahre 1989 Südtirol in einem Fiat Panda durchqueren, so musikalisch gestaltet, dass Hugendick das Gefühl hat, einem sehr gelungenen Streichquartett beizuwohnen. Und wenn der Autor diese Intellektuellenkonversation über Kant, Kafka, Liszt, Moby Dick oder das Waldsterben in "hochtrabendem Perückenton" und "angetüterten Austriazismen" von statten gehen lässt, kann sich auch Hugendick ein lautes Lachen nicht verkneifen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2016

Christoph Schröder folgt Albrecht Selges Roadmovie zunächst durchaus amüsiert nach Südtirol: Vier mehr oder weniger kulturell gebildete Männer unterwegs von Gasthaus zu Gasthaus in einem Fiat Panda. Die Grenzen der Konstellation werden Schröder allerdings rasch schmerzhaft bewusst. Das langsame Absaufen der Figuren im Bier- und Schnapsdunst findet er als Handlung dann doch arg wenig. Mehr als altherrenhafte Albernheiten und langweilige Bildungsfrüchte hat das Buch auch bald nicht mehr zu bieten, meint Schröder. Auch Selges Verweise auf Klassiker der Besäufnisliteratur helfen da wenig, meint er.
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