Reprint. Herausgegeben von Rolf D. Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla. Schon der Titel war Programm: Acid - zu Deutsch Säure oder LSD - vermittelt Provokation und Aufbegehren, ist radikaler Ausdruck einer jungen, unangepassten Protestkultur. Die viel gelobte, auch auch beschimpfte Dokumentation über die amerikanische Subkultur der Beatniks und Hippies bietet ein Konglomerat aus Lyrik, Prosa, Essayistik, Interviews, Textmontagen, pornografischen Texten, Comic-Strips und Fotos - damals eine gewagte Grenzüberschreitung zwischen Hoch- und Trivialliteratur, heute mindestens ebenso faszinierend im Rückblick auf die Zeit der Flower-Power-Bewegung und der sexuellen Revolution.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.08.2004
Rezensent Alex Rühle ist ganz aus dem Häuschen: Ein "Überfallkommando aus Sex & Drugs & Rock'n'Roll", ein "literarischer Melting-Pot" und eine "Wucht" obendrein - all das sei Brinkmanns Undergroundliteratur-Kompendium auch noch 35 Jahre nach der Erstveröffentlichung. Und die Neuauflage findet Rühle daher mehr als überfällig. Auch wenn, wie er einschränkt, dem heutigen Leser einiges "befremdlich" vorkommen mag - zum Beispiel die Comics von Robert Crumb, die schlichtweg "pornografischer Mist" seien -, tue dies der Bedeutung des Buchs keinen Abbruch. Rühle verweist auf die vielen "Gründungsdokumente der Postmoderne", so die "großen verspielten" Essays von Marshall McLuhan und Timothy Leary, und die vielen Schriftsteller wie Charles Bukowski und William Burroughs, die hier erstmals einem "breiteren deutschen Publikum vorgestellt wurden". Abgesehen davon ist Rezensent Rühle auch ein bisschen neidisch auf die "heilsgewisse" Naivität und den "unbändigen Optimismus", den die Texte des Buchs verströmen; eine solche "Ästhetik der Unmittelbarkeit" sei uns heutzutage, wie er findet, durch "knauserige Angst" verloren gegangen. Nicht zuletzt schätzt Rühle den Band auch als Hinführung zum "Spätwerk" Rolf Dieter Brinkmanns: Durch die "abenteuerlich" anmutende Vermischung von Genres und die Experimente mit der Typographie sei es nämlich ein "gestalterischer Vorgriff" darauf.
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