Abu l'Ala Al-Ma'arri

Paradies und Hölle

Die Jenseitsreise aus dem 'Sendschreiben über die Vergebung'
Cover: Paradies und Hölle
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406484469
Gebunden, 223 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Gregor Schoeler. Der arabische Dichter und Schriftsteller Abu l'Ala al-Ma'arri (973-1058) hat mit seinem Hauptwerk, dem "Sendschreiben über die Vergebung", knapp 300 Jahre vor Dante die arabische "Göttliche Komödie" geschrieben. Er schildert hier das islamische Paradies und die Hölle. Das "Sendschreiben" ist al-Ma'arris Antwort auf den Brief eines Literaten aus Aleppo, Ibn al-Qarih. Im ersten Teil des Werkes stellt sich der Dichter vor, dass sein Adressat inzwischen gestorben, wiederauferstanden und ins Paradies versetzt worden ist. Auch in die Hölle blickt Ibn al-Qarih. Der in sich abgeschlossene erste Teil des "Sendschreibens über die Vergebung", die Vision von Paradies und Hölle, erscheint hier erstmals in deutscher Übersetzung. Zahlreiche Erläuterungen erschließen den Text auch für diejenigen, denen die islamische Kultur und Geschichte noch weitgehend fremd sind. Eine Einleitung informiert über den Dichter, sein Werk und seine Zeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.08.2002

Ein "poetische Paradies" erblickt Rezensent Burkhard Müller im "Sendschreiben über die Vergebung" des großen arabischen Dichters Abu l-Ala al-Ma'arri, das nun in einer neuen deutschen Übersetzung vorliegt. Ähnlich wie Dantes dreihundert Jahre später verfaddte "Göttliche Komödie" ist Abu l-Ala al-Ma'arris "Jenseitsreise" ein Buch über Himmel und Hölle, wobei der Autor die Verstorbenen nach eigenem Ermessen auf beide Reiche verteilt, erläutert Müller. Die Schönheit der mitgeteilten Gedichte in einer Übersetzung einzufangen, ist nach Müller allerdings eine schwierige Sache. Zwar überzeugt ihn die "nüchterne moderne" Prosafassung Gregor Schoelers wegen ihrer Klarheit, in der sie der "poetischen" Version Friedrich Rückerts aus dem 19. Jahrhundert überlegen ist. Doch auch hier bleibt einiges auf der Strecke: "Die Poesie erleidet bei der Überfahrt Schiffbruch", klagt Müller, "und mehr als die Planken des baren Sachverhalts lässt sich, wie es scheint, kaum ans Ufer der Zielsprache retten." Wie viel wirklich in Abu l-Ala al-Ma'arris Versen steckt, legen für den Rezensenten die "subtilen Erörterungen" Schoelers dar, den Müller für die Auswahl, Übersetzung, Einleitung und Kommentierung des Textes ausdrücklich lobt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2002

Was der syrische Dichter Abu l'Ala al-Ma'arri mit diesem um das Jahr 1033 entstandenen Werk hinterlassen hat, findet Hassouna Mosbahi heute aktueller denn je. Wie den Autor selbst (973 bis 1058) hält der Rezensent auch dessen Hauptwerk, "Sendschreiben über die Vergebung", das im Deutschen nun erstmalig unter dem Titel "Paradies und Hölle" veröffentlicht ist, für "einzigartig" in der klassischen arabischen Literatur. Darin lässt der Autor, berichtet Mosbahi, seinen Protagonisten eine außergewöhnliche Reise in Himmel und Hölle antreten und erkennen, dass dort die Realität eine andere ist als auf Erden versprochen: Im Himmel geht es langweilig zu, während sich der interessantere Part eher in der Hölle abspielt. Zweierlei habe al-Ma'arri damit bezwecken wollen: Einmal habe er phrasendreschende schreibende Zeitgenossen gründlich durch den Kakao gezogen, zum anderen mit seiner sarkastischen Schilderung den Koran "zutiefst erschüttert" und ad absurdum geführt. Völlig zu recht habe man zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als man dieses Werk wiederentdeckte, sofort einen Vergleich zu Dantes 300 Jahre nach dem "Sendschreiben" erschienenen "Divina Commedia" gezogen, stimmt Mosbahi zu. Und ohne Zweifel sollten "Paradies und Hölle" sowie dessen blinder Verfasser, dessen Leben und Werk auf "Pessimismus, Skeptizismus und Rationalismus" basiert hatten, einen festen Platz im Kanon der Weltliteratur einnehmen, ist der Rezensent überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2002

Rezensent Stefan Weidner zeigt sich hellauf begeistert von Abu l'Ala Al-Ma'arris "häretischer Komödie", die wie Dantes "Göttlicher Komödie" von einer Jenseitsreise und der Begegnung mit berühmten Verstorbenen handelt. Der in der Nähe von Aleppo geborene Abu l'Ala Al-Ma'arris (973-1058) war laut Weidner einer der größten Skeptiker des mittelalterlichen Islams, einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, zudem ein Satiriker, Witzbold und "Schalk ersten Ranges". Dass Al-Ma'arris einer breiteren Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich war, ist für Weidner fast so, "als hätte man Dante bislang nicht lesen können". Im Blick auf seine literarische Bedeutung ist Al-Ma'arris "Sendschreiben über die Vergebung" nach Einschätzung Weidners durchaus mit Dantes "Göttlicher Komödie" vergleichbar. Das "Sendschreiben" findet Weidner sogar "deutlich vergnüglicher als die 'Commedia' mit ihrem religiösen Pathos". Auch die etwas trockene deutsche Übersetzung von Gregor Schoeler hat nach Ansicht Weidners den Witz und Humor des "Sendschreiben" nicht beeinträchtigen können. Zwar fühlt sich Weidner vom wortreichen Kommentar Schoelers gelegentlich genervt. Doch verzeiht er Schoeler gutgelaunt, "weil er so wagemutig war, endlich dieses verrückte, notwendige Stück klassischer arabischer Literatur für uns zu übersetzen".
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