Ibn´Arabi

Urwolke und Welt

Mystische Texte des Größten Meisters
Cover: Urwolke und Welt
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406480553
Gebunden, 352 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Alma Giese. Ibn'Arabi (gestorben 1240), genannt der "Größte Meister", gilt als einflussreichster Mystiker der islamischen Welt. Noch heute wird er in Sufi-Kreisen hoch verehrt - und von islamistischen Fundamentalisten vehement angefeindet. Der vorliegende Band enthält in Auswahl drei Werke des aus Spanien stammenden Mystikers und bietet damit erstmals in deutscher Sprache einen Einblick in sein Leben und seine Gedankenwelt. Zu den "Mekkanischen Eröffnungen" wurde Ibn'Arabi in Mekka inspiriert. In ihnen beschreibt er das Verhältnis von Gott, Mensch und Welt, die anfängliche Urwolke, aus der alles entstanden ist, und die Zwischenwelt der Imagination. "Der Geist der Heiligkeit" enthält Biografien der Lehrer Ibn'Arabis, zu denen er auch Tiere und leblose Dinge zählt. "Dolmetsch der Sehnsüchte" ist eine Sammlung von Liebesgedichten, die Ibn'Arabi mit einem mystischen Kommentar versehen hat, um ihrer allzu irdischen Interpretation entgegenzuwirken. Eine Einführung der Herausgeberin in Leben und Werk Ibn'Arabis, Erläuterungen zu einzelnen Kapiteln erleichtern den Zugang zu den stellenweise dunklen und vielschichtigen Texten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2003

So wichtig dem Rezensenten Stefan Weidner es auch erscheinen mag, dass neben Avicenna und Averroes nun auch Ibn Arabi, der "mystischste der arabischen Philosophen und der philosophischste der arabischen Mystiker", zu einer nicht nur westlichen, sondern auch islamischen Rezeption gelangt, so sehr merkt man ihm die Schmerzen an, die er bei der Lektüre der von Alma Giese herausgegeben Textauswahl durchlitten hat. Denn sowohl aus der mittelalterlichen (also zu Ibn Arabi zeitgenössischen) als auch aus der heutigen Perspektive seien Ibn Arabis Gedankengänge "fremd" und "unzugänglich", wie diese Auswahl eher beweise als widerlege. Dabei ist Ibn Arabis Ausgangspunkt für den Rezensenten durchaus anziehend und berechtigt: Sein Denken kennzeichnet sich durch die "auf hohem Niveau ausgewogene Synthese" von "Spiritualität, Tradition und Ratio". Er vertritt die sufische Überzeugung, dass dem Menschen die göttliche Erkenntnis aus sich selbst heraus möglich ist, das der Mensch ein "Selbstdenker und selbständig Gott Erfahrender" ist, was natürlich einen "Autoritätsverlust der Tradition" bedeutet. Doch Ibn Arabis Schöpfungslehre kann Weidner nicht mehr folgen. Ausgehend von der Frage "Wie ist das Verhältnis von Schöpfer und Schöpfung zu begreifen? Wenn Gott als das absolute Sein definiert ist, welchen ontologischen Status haben die aus ihm emanierenden Dinge, Vorstellungen und Worte?" beschreibt Ibn Arabi die Schöpfung als den Aufruf der "noch nicht existenten Dinge" an die schon existenten (und alle zu Gott gehörigen) Namen, sie durch eben die Namensgebung werden zu lassen. Und doch beharre Ibn Arabi darauf, dass die Dinge daraufhin nicht mit den Namen identisch seien. Was den Rezensenten - verwunderlicherweise - wundert. Man brauche eben die von Ibn Arabi so oft heraufbeschworene Phantasie um ihn zu lesen, so Weidners ermüdetes Fazit.