Abbas Kiarostami

In Begleitung des Windes

Gedichte
Cover: In Begleitung des Windes
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518416297
Gebunden, 240 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Persischen von Shirin Kumm und Hans-Ulrich Müller-Schwefe. Der iranische Filmregisseur ("Der Geschmack der Kirsche", "Der Wind wird uns tragen") fotografiert auch und malt - und schreibt Gedichte, was ihm selbst am allerwichtigsten ist. In "Begleitung des Windes" besteht aus 221 kurzen, schwebend leichten und lakonisch kräftigen Gedichten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2005

Die kurzen Gedichte von Abbas Kiarostami haben höchstens sechs Zeilen, sind reimlos und haben einen freien Rhythmus, sie handeln zumeist von einfachen Beobachtungen, von Jahreszeiten, dem Wetter und der Natur, stellt Gustav Falke bei der Lektüre dieses Bandes fest. Der Rezensent kritisiert zunächst, dass die Gedichte des iranischen Filmemachers weniger im Medium der Sprache als mit filmischen Mitteln arbeiten. Und wenn das lyrische Ich seine Einsamkeit beklagt, so wirkt das durchaus "etwas sentimental", "klebrig" und "banal" gar, wenn der Autor mit "direkten Bekenntnissen" zum eigenen Leben herausrückt. Doch dann gibt Falke zu, dass die Kritik "ganz ungerecht" ist und lobt nun, Kiarostami erneuere mit seiner Lyrik die "persische Mystik aus dem Geiste des Films". Damit, so der Rezensent zustimmend, werden insbesondere die "filmischen" Gedichte, die sich ganz der Beobachtung verschrieben haben, zu einer "wirklichen Erneuerung der persischen Lyrik". Dass der Autor dabei nicht versucht, diesen Beobachtungen "möglichst viel Sinn" zu entlocken, lobt Falke nachdrücklich und er sieht darin das Streben Kiarostamis, eine "Haltung der Aufmerksamkeit einzuüben". Von den Übersetzungen ins Deutsche allerdings hält der Rezensent wenig, denn sie machen seiner Ansicht nach nicht nur das Filmische, das Beobachtungen in "Bewegungsstilleben" festhält, zunichte und sind zum Teil schlicht falsch, sondern geben den Gedichten zudem eine "Aura der Modernität", die völlig fehl am Platze ist, wie er ärgerlich moniert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2005

Die Gedichte des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami, "der laut eigener Aussage von der ersten bis zur sechsten Klasse in der Schule mit niemandem je ein Wort gewechselt hat", sind der japanischen Lyrik näher als der persischen, findet Rezensentin Angela Schader und stimmt darin mit Peter Handke überein. Dieser bezeichnet Kiarostamis Gedichte in seinem Nachwort als Eidola, kleine Bildchen, und verortet den Dichter somit "nicht undifferenziert" nahe dem japanischen Haiku, erklärt die Rezensentin. Sie vermutet, dass Kiarostami das "Gewicht" gereizt hat, das die lyrische Kurzform jedem einzelnen Wort zukommen lässt, sowie die "ihren Symbolgehalt eher bergende als zur Schau tragende Sprache" des Haiku. Verglichen mit den Meistern der Gattung können sich die von archaischen Naturphänomenen geprägten Gedicht-Bilder aber nicht immer als eigene Kreationen behaupten, sie "oszillieren" vielmehr zwischen Bild und Nachbild, sowohl auf inhaltlicher als auch formaler Ebene, findet Schader. Die ansonsten präzise erfasste Wirklichkeit erscheint ihr somit bisweilen ein wenig entrückt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004

Vorher die Skepsis, hinterher ein kleines Glück - Jan Wagner kann bezeugen, dass Abbas Kiarostami kein Hobbypoet ist wie so viele kommerzielle Künstler mit höheren Ambitionen. Sondern ein echter Dichter, ein Meister schlicht funkelnder "Miniaturen", die das Ausformulierte, die Pointe verschmähen und stattdessen einladen, "der winzigen Reibung im vermeintlich Banalen nachzuspüren, um so den Sinnzusammenhang der wenigen Worte zu erweitern". Oft gelingt das ganz wunderbar, findet Wagner, dann öffne ein Naturdetail der Assoziation Räume, die man mit beglücktem Staunen ausfülle. Dann überbringen die wenigen Worte ein unerwartetes Geschenk, verspricht Wagner. Andere Male bleibe die Epiphanie aus, das Bild banal. Doch selbst das, so Wagner, ändert sich, wenn man die Motive über die einzelnen Gedichte hinaus durch den Band verfolgt - dann entstehen noch einmal neue, zarte Kompositionen. "Kiarostamis Reduktionspoesie zupft eine Saite an in der Hoffnung, im Leser möge ein ganzes Orchester erklingen", und ja, der Rezensent hat's gehört.
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