Aus dem Spanischen von Klaus Laabs. Über den Dächern von Buenos Aires feiert Patri mit ihren Eltern Silvester. Freunde kommen hinzu, die den Ort - den Rohbau eines Hochhauses - charmant finden. Niemand stört sich an den ungewöhnlichen Gästen: drei Geister, nackte Männer, sichtbar gemacht durch den Baustaub. Patri ist fasziniert von ihnen. Verkörpern sie doch das Andere, das Neue. Die Warnungen ihrer Mutter schlägt sie in den Wind. Soll sie sich mit ihnen in die Dunkelheit der Nacht stürzen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2010
Für Florian Borchmeyer ist der vor zwanzig Jahren entstandene und nun auf Deutsch vorliegende Roman "Gespenster" von Cesar Aira ein Meisterstück und dazu einer der originellsten fantastischen Romane der jüngeren Literatur. Der argentinische Autor lässt darin eine Gruppe von Gespenstern, allesamt verstorbene Bauarbeiter, in einem noch im Rohbau befindlichen Apartmenthaus spuken, in dessen oberstem Stockwerk der chilenische Bauleiter und seiner Familie wohnen, erfahren wir. Schon, dass diese Gespenster nichts Schreckliches an sich haben und die mit ihnen lebende Familie ganz selbstverständlich mit ihnen umgehe, macht sie für das Genre ungewöhnlich, konstatiert der Rezensent. Kontrastiert werde das skurrile alltägliche Zusammenleben von Gespenstern und Familie nicht nur von der sensiblen Tochter, die sich als Silvestergast der Gespenster um Mitternacht vom Rohbau stürzen soll, sondern durch immer wieder eingeschaltete Exkurse zur Gespenstergeschichte oder zur "idealen Architektur". Damit offenbart sich die Sehnsucht nach der Überschreitung von literarischen Grenzen, rühmt der Rezensent, und es entsteht ein "fremdartig schönes Ganzes".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2010
Vergleiche mit Borges, wie sie manchmal angestrengt werden, findet Merten Worthmann zwar ein bisschen übertrieben. Aber er liest Cesar Airas zumeist kurze Bücher trotzdem gern und hat auch seinen nun erschienenen Roman "Gespenster" sehr genossen. Der Roman spielt an einem einzigen Tag in einem noch im Bau befindlichen Apartmenthaus in Buenos Aires und abgesehen von diesem festen Rahmen bietet der Autor hier eine turbulente Achterbahnfahrt von verschiedenen Erzählweisen und Textsorten, die eine stringente Handlung schlichtweg verweigern, so der Rezensent amüsiert. Aira schweift gern ab, flicht Exkurse ein, lässt Erzählfäden abreißen und kümmert sich nicht um Sprünge in der Handlung, sprich: er tut all das, was man einem Anfänger ankreiden würde, konstatiert Worthmann. Seinen besonderen Spaß hat er an den Meta-Spielchen, die der Autor hin und wieder mit seinen Lesern treibt. Virtuos, rasant und höchst vergnüglich, findet der Rezensent, der glaubt, dass Aira deshalb gerade bei Schriftstellerkollegen so beliebt ist, weil er sich das erlaubt, was sie sich selbst um der Stringenz und Geschlossenheit ihrer Werke willen verkneifen müssen.
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