Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Bevilacqua rettet sich aus dem falschen Leben in Buenos Aires nach Madrid. Aber im Exil regieren statt der Zwänge der Diktatur nur Verdacht und Zwietracht. Da hilft es nichts, dass man in seinem Koffer ein mysteriöses Manuskript findet, das ein "Lob der Lüge" verspricht. Bei dessen Erscheinen erntet Bevilacqua statt Ruhm und Ehre bloß Scham und Untergang.
Eigentlich hätte Rezensent Jochen Jung von Alberto Manguel für klug genug gehalten, nach all seinen Büchern über Bücher seinen ersten Roman nicht über einen Roman zu schreiben. Aber offenbar ist Manguel doch genau in die Falle getappt und hat eine sehr verwickelte Geschichte konstruiert, in der es um ein wiederaufgetauchtes Manuskript geht, um Frauen, Folter und Verrat. Oder zumindest im ersten Kapitel geht es darum, denn in den folgenden wird nach dem Prinzip von Akira Kurosawas "Rashomon" die erste Version widerlegt und aus gänzlich anderer Perspektive erzählt. Der Rezensent ist nicht begeistert. So raffiniert das alles ausgedacht ist, herausgekommen sei kein neuer Roman, spöttelt Jung, sondern ein "altes Bücherregal".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010
DIE Wahrheit gibt es nicht. Nach der Lektüre von Alberto Manguels Roman weiß es Rezensent Edo Reents ganz genau. Wenn der Autor in seinem neuen Buch wiederum die Frage nach dem Effekt des Lesens, der Fiktion, stellt, und dies so spielerisch wie elegant macht, steigen die Erkenntnischancen für den Rezensenten. Dass ein Erzähler für so ein Projekt nicht ausreicht ist eh klar. Multiperspektivisch, fragmentarisch rückt der Autor seinem Stoff zu Leibe. Der schillernden Hauptfigur steht bald eine schillernde Wahrheit und auch ein schwindelnder Blick auf die argentinische Militärjunta zur Seite, ein "Gespinst aus Worten", dem sich der Rezensent gerne hingibt.
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