Bestellen Sie bei eichendorff21!Tania Branigan, langjährige China-Korrespondentin für den Guardian, hat mit "Red Memory" ein Buch über die Kulturrevolution und ihre Folgen für China geschrieben. Im Interview mit Luka Lisjak Gabrijelčič (von Eurozine hier ins Englische übersetzt) erklärt sie, warum man ohne die Kulturrevolution das heutige China nicht verstehen kann: "Auch ihre Auswirkungen auf die Politik bleiben unsichtbar", zum Beispiel die Überzeugung der heutigen chinesischen Führung, dass "das beste Mittel gegen Totalitarismus Autoritarismus" ist. "Es ist ein sehr merkwürdiges Paradoxon, dass es der Kommunistischen Partei gelungen ist, die Kulturrevolution zu nutzen, um ihre Position in der chinesischen Gesellschaft zu festigen. Sie hat eine Geschichte über die Kulturrevolution geschaffen, in der es darum geht, dass die Menschen außer Kontrolle geraten sind. Es ist eine Erzählung darüber, was passiert, wenn man keine Ordnung, keine Disziplin, keine Hierarchie und keinen festen Griff auf das Geschehen hat. Die Partei kann diese Erzählung verbreiten, weil sie die politische Dimension der Kulturrevolution ausblendet: Sie gibt nicht zu, dass es Maos Methode war, die Kontrolle wiederherzustellen und Rivalen auszuschalten." Das Besondere an der chinesischen Kulturrevolution war laut Branigan, dass sie "vom Volk selbst getragen wurde, sie war allgegenwärtig und sehr persönlich. Dieses Ausmaß an Mitschuld war am verheerendsten, insbesondere weil sich die Menschen nicht nur gegen ihre Klassenkameraden, Freunde, Arbeitskollegen und Genossen wandten, sondern sogar gegen ihre engsten Familienangehörigen." Die meisten Menschen wollen darüber heute nicht mehr sprechen.
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