Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Südamerika-Historiker Greg Grandinunterhält sich mit Alexander Aviña über sein neues Buch "America, América: A new history of the world", eine 800 Seiten starke Geschichte über das angespannte Verhältnis zwischen Lateinamerika und den Vereinigten Staaten. Vor allem geht es Grandin aber auch darum, wie Lateinamerika zur Entstehung der modernen Welt beigetragen hat, nämlich maßgeblich, so die Hauptthese des Buches. Ein bezeichnenden Unterschied sieht der Historiker bereits darin, wie nach der jeweiligen Unabhängigkeit mit den Rechten der indigenen Bevölkerung umgegangen wurde. In Südamerika zeigte sich ein Humanismus und Geschichtsbewusstsein, das ganz anders war als das der Amerikaner: "Männer wie Hamilton, Jefferson und Adams glaubten jedenfalls nicht, sich für irgendetwas entschuldigen zu müssen. Simon Bolívar und andere seiner revolutionären Kohorte hingegen waren der Ansicht, die Unabhängigkeit erfordere nicht nur einen politischen, sondern einen intellektuellen und moralischen Bruch. Dies erfordere zumindest eine klare Auseinandersetzung mit der Geschichte, eine ethische Auseinandersetzung mit den Schrecken, Brutalitäten und Heucheleien der Kolonie. Viele Verfassungen und Unabhängigkeitserklärungen der Region verurteilten die Eroberung offen, mit Worten, die direkt von dem fortschrittlichen Theologen Bartolomé de Las Casas übernommen wurden. Während die Sklavenhalter sagten, die amerikanischen Ureinwohner seien weniger als Menschen und könnten daher unterworfen werden, bezeichneten Las Casas und spätere Unabhängigkeitsführer die Konquistadoren als Untermenschen, die sich durch die Befreiung von allen sozialen und moralischen Zwängen in wilde Tiere verwandelten und wie 'tollwütige Wölfe' über die Ureinwohner herfielen. Las Casas zitierte Cicero und betonte, dass die Menschlichkeit der Indigenen nicht auf ihrer Individualität im modernen Sinne beruhte, sondern vielmehr darauf, dass sie Gente waren, Individuen, die zusammenkamen, um sozial zu leben: 'Gente para vivir socialmente', schrieb Las Casas."
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