
In einem lesenwerten
Interview im unabhängigen Medium
Goworit Nemoskwa (mehr
hier und
hier die deutsche Übersetzung bei
Dekoder) spricht die russische Journalistin Farida Kurbangalejewa mit dem Politikwissenschaftler
Michail Sawwa und dem Verfassungsrechtler
Ilja Schablinski über Kriegsverbrechen der russischen Armee und die Folgen. Schablinski geht auf Parallelen zwischen einem möglichen Prozess gegen die russische Führung und die Nürnberger Prozesse ein: "Die Ideologie muss verurteilt werden. Bei den Nürnberger Prozessen sind bestimmte Aspekte der NS-Ideologie für unrechtmäßig erklärt worden. Heute muss die
Ideologie des imperialen russischen Nationalismus verurteilt werden, der lange Zeit, noch vor zehn Jahren, ganz harmlos wirkte. Jetzt hat er sich als blutrünstiges Monster erwiesen. Das muss festgestellt werden. Ich fürchte überhaupt, dass Russland aus dem Schicksal Deutschlands keine Schlüsse für sich selbst gezogen hat. Ein Teil der Menschen in Russland hat einfach gedacht: 'Wir haben recht. Das Dritte Reich war böse, aber
unser Reich ist gut, unser Imperialismus ist legitim.' Sie haben Deutschlands Schicksal als Rechtfertigung des eigenen Imperialismus gesehen. Seit dem Amtsantritt Putins hat der Staat sie darin unterstützt und ihnen - vor allem in den letzten 15 Jahren - gezielt eingeredet, der russische Imperialismus sei eine Art
höhere Existenzform des russischen Staates. Das ist übelster Nationalismus. Mit Hochmut und Verachtung fing es an, und während des Krieges kam dann der Hass. Diesem Imperialismus muss ein für alle Mal ein Ende bereitet werden. Um welchen Preis, kann ich nicht sagen. Das Gericht muss dabei seine Aufgabe erfüllen."