Bestellen Sie bei eichendorff21!Hilfe, "We have aHistorikerstreit on our hands!" Höchst amüsant und dabei auch instruktiv liest sich Samuel RubinsteinsResümee des größten britischen, ja, eben, Historikerstreits seit Jahrzehnten. Und Rubinstein versichert: er ist genauso kolossal wie der deutsche und wird einst aus historischer Distanz mit genauso großer Befremdung studiert werden. Es geht natürlich um Kolonialismus und um den Historiker Nigel Biggar, der eigentlich keiner ist, sondern ein Theologe. Sein den Kolonialismus aus neokonservativer Sicht verteidigendes Buch "Colonialism: A Moral Reckoning" ist in zweiter Auflage erschienen und darin publiziert Biggar ein siebzigseitiges Nachwort mit pedantischen Widerlegungen seiner Gegner, das Rubinstein nur sanft ächzen lässt. Aber seine Gegner sind nicht besser, ganz im Gegenteil. Sie legen einen ganzen "Anti-Biggar" (siehe Cover) vor, herausgegeben von Biggars eingeschworenem Feind Alan Lester, der dem Vernehmen nach schon Biggars erster Kritiker auf Amazon war und dem Kollegen nur einen Stern von fünf gönnte. (Der Perlentaucher hat die Kontroverse übrigens früh wahrgenommen und Biggar und seine Kontrahenten schon 2018 zitiert.) Rubinstein legt seine eigene Position so dar: "Um meine eigenen Karten für einen Moment auf den Tisch zu legen, habe ich eigentlich mehr Sympathie für die zugrundeliegende neokonservative Idee des Kolonialismus als für das Buch selbst. Es fällt mir schwer, Kenan Maliks Urteil zu widersprechen, dass Biggar dort, 'wo es sich als unmöglich erweist ein Stückchen Gutes' am Empire ausfindig zu machen, 'versucht, mildernde Umstände für das Schlechte geltend zu machen'. Gleichzeitig zeugt Biggars Arbeit aber auch von seinem persönlichen Mut und seiner Integrität. Lester beklagt, dass 'der Druck, die akademische Forschung über den Kolonialismus zu 'canceln', jetzt hauptsächlich vom rechtspopulistischen Flügel des Kulturkampfes auszugehen scheint': aber soweit ich weiß, hat kein Verlag seinen Plan, 'The Truth about Empire' zu veröffentlichen, aufgegeben, wie Bloomsbury es mit 'Colonialism: A Moral Reckoning' tat."
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