
"Im Schatten von Millionen Dollar teuren Wohnungen und hoch aufragenden Wolkenkratzern, unter dem täglichen Getöse von Kreuzfahrt- und Frachtschiffen, siedelt eine Kolonie von
Korallen, die eigentlich gar nicht existieren dürfte",
staunt Claudia Geib über das bemerkenswerte Phänomen, das in PortMiami in Florida seit einigen Jahren vermehrt Korallenwuchs zu beobachten ist - für die Forschung ein gefundenes Fressen angesichts des durch den
Klimawandel verursachten Korallensterbens der letzten Jahre. Sie "wachsen auf
entsorgten Einkaufswagen, auf Beton und steinernen Wellenbrechern. Sie erreichen Größen, die Wissenschaftler in Erstaunen versetzen, und sie ziehen Fische, Seekühe und Schildkröten in diesem belebten Hafen an. Auch befinden sich darunter zwei Spezies - die Elchgeweih- und die Hirschgeweihkoralle - die an anderen Orten in Florida praktisch als ausgestorben gelten. ... Seit dem Beginn ihrer Beobachtung konnten Wissenschaftler dokumentieren, wie tolerant die Miami-Korallen auf
saures Wasser, große Mengen von frischem Wasser von Regen und aus Abflüssen sowie auf
extreme Temperaturwechsel reagieren, inklusive einer bislang nicht gekannten Hitzewelle von 2023, die viele von Floridas Korallen tödlich bleichen ließ. ... Urbane Korallensiedlungen finden sich rund um Singapur, Hongkong, Jakarta in Indonesien und Naha, die Hauptstadt von Okinawa in Japan, sowie in der Nähe kleinerer Städte überall in Südostasien. Bislang sind diese noch nicht so gut erforscht wie die in Miami, aber sie teilen mit ihnen einige
Resilienzmerkmale." Doch "beeilen sich Forscher auch damit, darauf hinzuweisen, dass urbane Korallen nicht als Ersatz für gesunde Korallenriffe betrachtet werden sollten: Urbane Korallensiedlungen neigen dazu,
weniger komplex und weniger divers zu sein als Riffe."