Aneignung des Gedenkens Intervention 30.01.2020 Die Gedenkfeier in Yad Vashem zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz war in mehrerer Hinsicht höchst problematisch: Weil der Präsident des Landes sprechen durfte, das einst Polen überfiel, aber nicht der Präsident Polens. Weil die Feier wie eine Legitimierung von Wladimir Putins jüngsten geschichtsrevisionistischen Äußerungen wirkte. Und weil sie eine neue Phase der Instrumentalisierung des Holocausts einleitet. Von Richard Herzinger
Mit Vehemenz Intervention 17.01.2020 Der Westen, hört man oft, könne anderen Kulturen nicht "seine Werte aufzwingen" und solle daher aufhören, andersartige politische Systeme zur Demokratie "bekehren" zu wollen. In Wirklichkeit aber sind es autoritäre Regimes wie die des Iran, Chinas und Russlands, die ihrer eigenen Bevölkerung ebenso wie anderen Völkern mit Gewalt ihre "Werte" aufzwingen. In diesen Ländern regen sich Demokratiebewegungen, die der Westen nicht im Stich lassen sollte. Von Richard Herzinger
Peter Handke: Fossil und Pionier Intervention 19.12.2019 In Wahrheit ist das Gerede von der unberührbaren Autonomie des Ästhetischen Ausdruck einer Untertanenmentalität. Deren Vertreter werfen sich ersatzweise vor dem großen Schriftsteller in den Staub, für den die moralischen Standards von Normalsterblichen nicht gelten sollen. Rückblick auf die Debatte um Peter Handke, die den literarischen Geniekult deutscher Prägung endgültig diskreditierte. Von Richard Herzinger
Keine Sucht nach uns Intervention 02.12.2019 Eine "Widerstandssäule" mit der Asche ermordeter Juden? Bei mir lösen die Philipp Ruchs Aktionen stets eher einen physischen Widerwillen aus. Mich stört die Nekrophilie, das Kapern realer Leichen für ästhetische Zwecke. Man könnte es die Gunther-von-Hagenisierung der allerjüngsten Avantgarde nennen. Von Thierry Chervel
Ergo totgeschlagen Intervention 14.09.2019 Wenn der vermeintliche "Wille des Volkes" sich austoben kann, ohne dass er durch Institutionen der repräsentativen Demokratie, durch verbindliche Gesetze und durch die Gewaltenteilung gebändigt wird, kommt dabei keine "wahre Demokratie" heraus, sondern Willkür. Die rechtsradikale AfD will da nichts anderes als ihre Vorläufer in den Zwanzigern Von Richard Herzinger
Vermeintlich nur das Beste Intervention 30.08.2019 So dringend der Klimawandel bekämpft werden muss - die von jungen Aktivisten verfochtene exklusive Mobilisierung lenkt die moralischen Widerstandskräfte auf ein abstraktes, allgemeines Katastrophenszenario der Zukunft, hinter dem die "partikularen", konkreten Katastrophen der Gegenwart zu verschwinden drohen. Die Apodiktik der Klimaschutzbewegung führt zu politischer Lähmung. Von Richard Herzinger
Auch brüchig und bodenlos Intervention 28.08.2019 Manchmal ist es gut, hochfahrend zu sein, aber ich finde, es sollte immer mit einer gewissen Theatralik passieren, die das Zweifelhafte der eigenen Sache ausstellt und zu Widerspruch einlädt. Zur Debatte der Literaturkritik über ihre eigenen Kriterien. Von Katharina Hacker
Belohnung für gute Zahlungsmoral Intervention 16.08.2019 Donald Trumps Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, droht damit, amerikanische Truppen aus Deutschalnd abzuziehen. Nachzuvollziehen ist daran nur seine Kritik am geringen deutschen Verteidigungshaushalt. Aber die USA stationieren ihre Truppen in Dueutschland nicht als Serviceagentur - sondern aus geostrategischen Interessen. Von Richard Herzinger
Optimale Vorteile Intervention 23.07.2019 Angesichts einer neuen rücksichtslosen Machtpolitik, wie sie von Russland und China geführt wird, fordern auch hier einige angebliche "Reaisten", dass sich deutsche und europäische Politik künftig allein nach Interesse richten solle. Das ist magisches Denken. Von Richard Herzinger
Fortschreitende Selbsterniedrigung Intervention 06.07.2019 Wladimir Putin hat kürzlich die Idee des Liberalismus als "überholt" verhöhnt. Allzu viele Reaktionen kamen weder von westlichen Politikern, noch aus der Öffentlichkeit. Der Impuls für eine Renaissance der westlichen Werte könnte heute von den aufstrebenden zivilgesellschaftlichen Bewegungen in Osteuropa kommen, etwa aus Georgien oder Tschechien - und zwar gerade, weil die dortigen Gesellschaften bereits intensive schlechte Erfahrungen mit der autoritären Regression machen. Von Richard Herzinger
Die große Kapitulation Intervention 17.01.2018 Grausam: Wie die SPD-Führung von der CSU/CDU vorgeführt wird und wie die Süddeutsche Zeitung dabei assistiert. Durchaus möglich, überdies, dass "die Basis" wieder einmal zähneknirschend Ja & Amen sagt. Von Wolfram Schütte
Die rote Linie ist überschritten Intervention 21.12.2017 Lange Zeit erschienen mir Autoren wie Daniel Bax oder Lamya Kaddor irrelevant - sie haben zur Sache nichts zu sagen. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass sie mit ihrer Strategie der Diffamierung der Debatte schaden. Sie attackieren einzelne Personen, weil sie deren Argumente nicht zulassen wollen - und weil sie selbst ein reaktionäres Gesellschaftsbild verfechten. Von Necla Kelek