Tiefgreifende Verunsicherung Intervention 01.04.2020 Durch die Corona-Krise stehen die Demokratien in Europa und die Grundkonzeption der EU vor ihrer schwersten Krise seit 1945. Ihre Feinde nutzen ihre Schwäche für eine neue Propagandaoffensive. Die Frage für die Demokratien wird sein, ob die Bevölkerung mitzieht, wenn die Krise länger dauert und die existenzielle Probleme sich verschärfen. Von Richard Herzinger
Tendenz zum Heraushalten Intervention 17.03.2020 Unter den Flüchtlingen, die gegenwärtig an die EU-Außengrenze drängen, befinden sich neben Syrern und Irakern in großer Zahl auch Afghanen. Sie sind die Opfer einer auch von deutschen Linken bevorzugten Politik des Rückzugs. Von Richard Herzinger
Grenze zur Hellseherei Intervention 09.03.2020 Die Unschuldsvermutung sowie die Freiheit der Rede und des gedruckten Worts sind viel zu kostbare, über die Jahrhunderte mühsam und mit vielen Opfern errungene Güter und Werte, um sie jenen zu überlassen, die - egal, von welcher Seite des politischen Spektrums kommend - glauben, sie wüssten, was (für alle) richtig und was falsch ist. Anmerkungen zum Aufruf der Rowohlt-AutorInnen, Woody Allens Memoiren nicht zu drucken. Von Peter Truschner
Apologetische Haltung Intervention 28.02.2020 So notwendig es ist, prioritär den Rechtsextremismus als die aktuell größte innere Gefahr für Freiheit und Demokratie zu bekämpfen, so kontraproduktiv ist es, dies mit der historischen Weißwäsche der scheinbar entgegengesetzten Seite zu verbinden. Die Linkspartei ist weit davon entfernt, eine zuverlässige Stütze der pluralistischen Demokratie zu sein. Von Richard Herzinger
Verpasste Gelegenheiten Intervention 14.02.2020 Während Demokraten heute offen eingestehen, dass sie die Gefahr, die von Wladimir Putin ausgeht, unterschätzt haben, sind es jetzt Trump und seine Gefolgsleute in der Republikanischen Partei, die diese Gefahr herunterspielen oder ganz ableugnen, ein Zeichen für das Ausmaß, das die Korrumpierung weiter Teile der westlichen Eliten bereits erreicht hat. Von Richard Herzinger
Aneignung des Gedenkens Intervention 30.01.2020 Die Gedenkfeier in Yad Vashem zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz war in mehrerer Hinsicht höchst problematisch: Weil der Präsident des Landes sprechen durfte, das einst Polen überfiel, aber nicht der Präsident Polens. Weil die Feier wie eine Legitimierung von Wladimir Putins jüngsten geschichtsrevisionistischen Äußerungen wirkte. Und weil sie eine neue Phase der Instrumentalisierung des Holocausts einleitet. Von Richard Herzinger
Mit Vehemenz Intervention 17.01.2020 Der Westen, hört man oft, könne anderen Kulturen nicht "seine Werte aufzwingen" und solle daher aufhören, andersartige politische Systeme zur Demokratie "bekehren" zu wollen. In Wirklichkeit aber sind es autoritäre Regimes wie die des Iran, Chinas und Russlands, die ihrer eigenen Bevölkerung ebenso wie anderen Völkern mit Gewalt ihre "Werte" aufzwingen. In diesen Ländern regen sich Demokratiebewegungen, die der Westen nicht im Stich lassen sollte. Von Richard Herzinger
Peter Handke: Fossil und Pionier Intervention 19.12.2019 In Wahrheit ist das Gerede von der unberührbaren Autonomie des Ästhetischen Ausdruck einer Untertanenmentalität. Deren Vertreter werfen sich ersatzweise vor dem großen Schriftsteller in den Staub, für den die moralischen Standards von Normalsterblichen nicht gelten sollen. Rückblick auf die Debatte um Peter Handke, die den literarischen Geniekult deutscher Prägung endgültig diskreditierte. Von Richard Herzinger
Keine Sucht nach uns Intervention 02.12.2019 Eine "Widerstandssäule" mit der Asche ermordeter Juden? Bei mir lösen die Philipp Ruchs Aktionen stets eher einen physischen Widerwillen aus. Mich stört die Nekrophilie, das Kapern realer Leichen für ästhetische Zwecke. Man könnte es die Gunther-von-Hagenisierung der allerjüngsten Avantgarde nennen. Von Thierry Chervel
Ergo totgeschlagen Intervention 14.09.2019 Wenn der vermeintliche "Wille des Volkes" sich austoben kann, ohne dass er durch Institutionen der repräsentativen Demokratie, durch verbindliche Gesetze und durch die Gewaltenteilung gebändigt wird, kommt dabei keine "wahre Demokratie" heraus, sondern Willkür. Die rechtsradikale AfD will da nichts anderes als ihre Vorläufer in den Zwanzigern Von Richard Herzinger
Vermeintlich nur das Beste Intervention 30.08.2019 So dringend der Klimawandel bekämpft werden muss - die von jungen Aktivisten verfochtene exklusive Mobilisierung lenkt die moralischen Widerstandskräfte auf ein abstraktes, allgemeines Katastrophenszenario der Zukunft, hinter dem die "partikularen", konkreten Katastrophen der Gegenwart zu verschwinden drohen. Die Apodiktik der Klimaschutzbewegung führt zu politischer Lähmung. Von Richard Herzinger
Auch brüchig und bodenlos Intervention 28.08.2019 Manchmal ist es gut, hochfahrend zu sein, aber ich finde, es sollte immer mit einer gewissen Theatralik passieren, die das Zweifelhafte der eigenen Sache ausstellt und zu Widerspruch einlädt. Zur Debatte der Literaturkritik über ihre eigenen Kriterien. Von Katharina Hacker