Yasar Kemal

Auch die Vögel sind fort

Roman, Neuauflage
Cover: Auch die Vögel sind fort
Unionsverlag, Zürich 2013
ISBN 9783293004672
Gebunden, 130 Seiten, 12,95 EUR

Klappentext

Übersetzt von Cornelius Bischoff. Jeden Herbst gehen die Vögel in Schwärmen auf einem Strand vor Istanbul nieder. Seit den Tagen des alten Byzanz will es die Sitte, dass die Städter sie vor den Moscheen, Kirchen und Synagogen kaufen und wieder freilassen. Sie sollen an der Pforte des Paradieses Fürbitte leisten. Als aber drei Gassenjungen ihre vollgestopften Käfige auf Istanbuls Plätze tragen, ernten sie nur Spott und Hohn. Man beschimpft, verjagt die Jungen und hetzt die Polizei auf sie. Mit knurrenden Mägen, leeren Taschen, enttäuscht und erniedrigt, kehren sie an den Strand zurück. Yasar Kemals Istanbul ist eine farbige, brodelnde Welt. Spitzbuben und Tagträumer, Gestrandete und Gescheiterte leben an den Rändern einer Stadt, die gleichgültig und hektisch geworden ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2013

Renate Wiggershaus freut sich sehr, dass dieser bereits 1978 im Original und 1984 in - und wie sie anmerkt: vorzüglicher - Übersetzung erschienene Roman zum 90. Geburtstag des Autors neu aufgelegt wird, bilden sich doch darin dessen Qualitäten in nuce ab: So gehen bei Kemal die Erzähltraditionen seiner anatolischen Heimat ein Bündnis mit der literarischen Moderne ein, wie die Kritikerin in einer ausführlichen Würdigung und biografischen Skizze des Literaten anmerkt. In "Auch die Vögel sind fort" bedingen beide Komponenten die wehmütige Geschichte dreier Landjungen in Istanbul, die den alten Brauch, einkehrende Zugvögel abzufangen, aufleben lassen wollen, ihre reiche Beute aber den Stadtbewohnern nicht mehr verkaufen können. Mit Begeisterung lässt sich die Rezensentin in die Perspektive der Jungen versetzen, die von der wuselnden Betriebsamkeit am Istanbuler Taksim-Platz regelrecht überwältigt werden: Sie berichtet von "herangezoomten Großaufnahmen, leitmotivischen Wiederholungen, mythischen Überhöhungen und grotesken Übertreibungen".