James McBride

Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford

Roman
Cover: Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford
btb, München 2015
ISBN 9783442754892
Gebunden, 464 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence. Kansas im Jahre 1857: Hier, im Mittleren Westen der USA, lebt der junge Sklave Henry Shackleford. Hier tobt auch der Krieg zwischen überzeugten Sklavenhaltern und bibeltreuen Abolitionisten besonders wüst. John Brown ist einer derjenigen, die beseelt davon sind, Gottes Willen durchzusetzen und die Schwarzen in die Freiheit zu führen. Als er zufällig in einer Kneipe auf Henrys grausamen Master trifft - einen weithin bekannten und berüchtigten Sklavenhalter -, kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, in deren Folge beide fliehen müssen: sowohl John Brown als auch der junge Henry, der irrtümlicherweise für ein Mädchen gehalten wird und schnell begreift, dass dies seine Vorteile hat …

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.03.2016

Wer allzu politisch korrekte Maßstäbe an diesen, auf Grundlage weitreichender Recherchen geschriebenen, "famosen 'Südstaaten'-Roman" legt, wird bei der Lektüre nicht weit kommen, erklärt Rezensent Martin Zähringer. Das Buch handelt von dem Sklavenjungen und Ich-Erzähler Henry Shackleford, der nach dem Tod seines Vaters unter die Fittiche des historischen Abolitionisten John Brown gerät, der Shackleford allerdings für ein Mädchen hält, so der Kritiker weiter. Dass der frisch befreite Junge die neuerlangte Freiheit erstmal als gefährlicher als die Sklaverei wahrnimmt und nur wegen seines Status als Mädchen vor einem Kriegseinsatz bewahrt bleibt, zählt neben der Tatsache, dass seine Titelfigur - im Übrigen genau wie er selbst - auch weiße Anteile aus seinem Familienstammbaum geerbt hat - , zu den provokanteren Aspekten des in den USA zwar mit dem National Award ausgezeichneten, aber dennoch kontrovers diskutierten Romans, so Zähringer. Nicht in der Andacht, sondern in der "Dekonstruktion" geschehe hier die Würdigung, stellt Zähringer unter Hinweis fest, dass aber auch im eher uneindeutigen Gelände dieses Romans selbstredend die weißen Sklavenhalter als die eigentlich verkommenen Subjekte dargestellt werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2016

Kai Sina stellt klar, dass James McBrides Text keineswegs ein Unterhaltungsroman ist, wie es der deutsche Verlag anpreist, auch wenn er rasant und doppelbödig komisch loslegt, plastisch und packend erzählt. Dagegen sprechen laut Sina die subtile Komik, die "ambivalenzbewusste" Übersetzung durch Werner Löcher, vor allem aber der Problemgehalt. Einer der wichtigsten amerikanischen Romane der letzten Jahre ist das Buch für Sina durch die raffinierte Kombination von Fakten und Fiktion und zweier brisanter Themen, nämlich "gender" und "race". Auch als ungeschöntes Porträt des Mittleren Westens, das die politischen Konflikte zwischen Sklavenbefürwortern und Abolitionisten vor dem Bürgerkrieg behandelt, findet Sina es überzeugend.
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