Die politische Geschichte der Treuhandanstalt. Unter mitarbeit von Hartmut Maaßen, Jörg Raab und Arndt Oschmann. Mehr als 8000 Betriebe der ehemaligen DDR mit etwa vier Millionen Arbeitnehmern wurden nach 1990 privatisiert oder stillgelegt, mehr als ein Drittel der Fläche der DDR stand zu verkaufen oder zu verpachten. Die mit diesen Aufgaben betraute "Treuhandanstalt " war eine Großbehörde mit zeitweise 4000 Mitarbeitern und zahlreichen Unter- und Nebenorganisationen, die zum Teil noch Jahrzehnte existieren werden. Die Treuhand war jedoch weit mehr als eine Privatisierungsagentur, sie war vor allem eine politische Institution. Sie wurde zum Symbol der negativen wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Systemwechsels von der Plan- zur Marktwirtschaft, die sie selbst nicht verursacht, deren politische Kosten sie gleichwohl aufzufangen hatte. Mit diesem Band wird die erste umfassende politische Institutionengeschichte des Treuhandregimes von 1990 bis 2000 vorgelegt. Die Untersuchung fußt auf einer Vielzahl bislang nicht ausgewerteter Dokumente und auf umfangreichen Insiderquellen, darunter mehr als 150 Interviews mit Zeitzeugen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.08.2005
Als "akribisch und faszinierend zugleich" würdigt der "pra." zeichnende Rezensent diese Institutionengeschichte der Treuhand und ihrer Nachfolger, die Wolfgang Seibel nach zehnjähriger Forschungstätigkeit vorgelegt hat. Der Politologe schätze die Ausgangslage der Treuhand durch die Wirtschafts- und Währungsunion als verheerend ein, berichtet der Rezensent. Er betone allerdings ihre viel zu großzügigen Bedingungen, die sowohl im Westen als auch im Osten energisch eingefordert wurden. Laut Seibel sei der Glauben an den Wohlfahrtsstaat auf beiden Seiten so groß gewesen, dass gerade dadurch der Niedergang der DDR-Wirtschaft beschleunigt wurde. "Der Treuhandanstalt blieb es sodann überlassen, die Illusionen zum Platzen zu bringen", hält der Rezensent fest. Dabei habe sie nicht zuletzt als Sündenbock einen erfolgreichen Beitrag zur Stabilisierung der prekären, zeitweise von Massenprotesten geprägten politischen Lage geleistet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2005
Als "erste, gelungene Bilanz" des Wirkens der Treuhandanstalt würdigt Rezensent Werner Abelshauser diesen Band Wolfgang Seibels über die Privatisierung der DDR-Wirtschaft durch die Treuhandanstalt. Ausführlich geht Abelshauser in seiner Besprechung auf die Arbeit der Treuhandanstalt ein, deren anfänglicher Optimismus, mit der Abwicklung der DDR-Betriebe rund 600 Milliarden DM zu erzielen, sich bald in Luft auflöste. Seibels Buch charakterisiert Abelshauser als "politische Verwaltungsgeschichte", die die Illusionen über die wirtschaftliche Vereinigung bloßlegt und einige der Legenden über die Treuhand zerstört. Dazu zeichneten Seibel und seine Mitautoren ein "facettenreiches Bild" der Treuhandanstalt und ihrer Nachfolger. Wie Abelshauser anmerkt, war es nicht die Absicht des Autors, nach sinnvollen Alternativen zum Notverkauf der DDR-Wirtschaft an Private zu fragen, sondern sich auf die Konsequenzen der Strategie der Treuhand und ihrer Nachfolger zu konzentrieren. Die eigentliche Leistung der Treuhand sieht er in der "gelungenen Neutralisierung des politischen Krisenpotenzials" und weniger in ihrer "im Wesentlichen fehlgeschlagenen Hauptaufgabe".
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