Wolfgang Kraushaar

Israel: Hamas - Gaza - Palästina

Über einen scheinbar unlösbaren Konflikt
Cover: Israel: Hamas - Gaza - Palästina
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2024
ISBN 9783863931773
Kartoniert, 218 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 über 1200 Israeli ermordete, war auf einen Schlag der von den Nazis verübte eliminatorische Antisemitismus zurückgekehrt. Und das ausgerechnet auf dem Boden jenes Staates, der seiner Bevölkerung eine existentielle Sicherheitsgarantie gegeben hatte. Als Reaktion auf den Überfall ordnete die Regierung Netanyahu an, den Aggressor auszuschalten. Da sich dieser aber im Gaza-Streifen versteckt hielt, kam es dabei zu einer enorm hohen Zahl an Opfern unter den palästinensischen Zivilisten. Die Bilder, die seitdem um die Welt gehen, führten zu einem Aufflammen des Antisemitismus in einem kaum noch für möglich gehaltenen Ausmaß. Begleitet werden diese Reaktionen von uferlosen Debatten, die häufig affektbesetzt und von einer Begriffsverwirrung erheblichen Ausmaßes gezeichnet sind. Wolfgang Kraushaar unternimmt es, die altbekannten, häufig antisemitismusverdächtigen Stereotypen von triftigen Argumenten zu trennen. Dabei geht es ihm nicht - jedenfalls nicht primär - um historische Rekonstruktionen, sondern darum, das diskursive Feld von Topoi, Narrativen und Metadebatten nach Maßgabe einer Unterscheidung zwischen den zivilisatorischen Minimalbedingungen auf der einen und der Präzisierung und Ausdifferenzierung der Problem- und Grenzfälle auf der anderen Seite zu ordnen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.06.2024

Als perfekten Einstieg in die Diskussionen um Israel, die Hamas und Gaza empfiehlt Rezensent Jens-Christian Rabe Wolfgang Kraushaars Band. Der widmet sich, erfahren wir, den zentralen heißen Eisen der Debatte, untersucht unter anderem die Gleichsetzung von Nakba und Holocaust, fragt, ob die Hamas eine Befreiungsbewegung ist, und legt dar, was es mit Parolen wie "From the River to the Sea" auf sich hat. Weder auf Polarisierung noch auf bloße lexikalische Aufzählung zielt Kraushaar ab, freut sich Rabe, vielmehr wendet er sich den Problemen in ernsthafter Rechtschaffenheit zu. So weist er laut Rabe etwa darauf hin, dass der Genozidvorwurf gegen Israel oft taktisch verwendet wird, dass aber gleichwohl das zunächst legitime Kriegsziel Israels in Gaza in ein genozidartiges Verbrechen umschlagen könne. Die Nakba wiederum sei nicht mit dem Holocaust gleichzusetzen, ein Vertreibungsverbrechen stelle sie allerdings schon dar. Insgesamt liefert Kraushaar uns hier, findet der Rezensent, eine wichtige Ergänzung zu anderen Büchern zum Thema und das perfekte Gegengift zu Talkshow-Diskursverknappungen.

Buch in der Debatte

9punkt 14.04.2025
Der Historiker Wolfgang Kraushaar, der ein Buch über den Nahostkonflikt geschrieben hat (hier unser Vorgeblättert), zeichnet im Interview mit jungleworld die Geschichte linken Antisemitismus nach. Außerdem erklärt er, warum er tatsächlich eine Einstaatenlösung für realistischer hält als eine Zweistaatenlösung: "In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht auch daran erinnern, dass über 20 Prozent der israelischen Staatsbürger arabischer, zumeist palästinensischer Herkunft sind. Dieser Teil der Bevölkerung, immerhin zwei von knapp zehn Millionen, hat während des Gaza-Kriegs mit all seinen fürchterlichen Konsequenzen keine wirklichen politischen Schwierigkeiten bereitet. Das Zusammenleben hat funktioniert, irgendwie scheint es also doch noch Gemeinsamkeiten zu geben. In meinen Augen ist die Zweistaatenlösung vor allem wegen der Lage im Westjordanland unrealistisch. Wir müssen inzwischen von 500.000 bis 700.000 dort lebenden israelischen Siedlern ausgehen, die im Zuge einer sukzessiven Annexion immer mehr Gebäude errichtet und sie zum Teil zu wehrhaften Festungen umgebaut haben. Es erscheint irreal, das rückgängig machen und dort einen palästinensischen Staat aufbauen zu wollen. Vermutlich würde es zu einem Bürgerkrieg führen, wenn man die Siedler zwingen würde, sich wieder aus dem Westjordanland zurückzuziehen. Schon aus diesem elementaren Grund wäre es besser, eine Einstaatenlösung zu favorisieren." Unser Resümee
9punkt 14.05.2024
In einem längeren FR-Interview mit Michael Hesse hält der Politologe Wolfgang Kraushaar, dessen aktuelles Buch "Israel: Hamas - Gaza - Palästina" wir vorgeblättert haben, die aktuellen Proteste an den Universitäten nicht für "pauschal" antisemitisch, vielmehr glaubt er, dass sich in deren Folge einiges ändern wird. Unser Resümee