Wolfgang Herrndorf

Arbeit und Struktur

Cover: Arbeit und Struktur
Rowohlt Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783871347818
Gebunden, 448 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

"Ich erfahre: T. hat als einer der Ersten in Deutschland Temodal bekommen. Und es ist schon dreizehn Jahre her. Seitdem kein Rezidiv. Seine Ärzte rieten nach der OP, sich noch ein schönes Jahr zu machen, vielleicht eine Reise zu unternehmen, irgendwas, was er schon immer habe machen wollen, und mit niemandem zu sprechen. Er fing sofort wieder an zu arbeiten. Informierte alle Leute, dass ihm jetzt die Haare ausgingen, sich sonst aber nichts ändere und alles weiterliefe wie bisher, keine Rücksicht, bitte. Er ist Richter. Und wenn mein Entschluss, was ich machen wollte, nicht schon vorher festgestanden hätte, dann hätte er nach diesem Telefonat festgestanden: Arbeit. Arbeit und Struktur."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2014

Überflüssige Zeugnisse verlängerter Adoleszenz findet Joachim Güntner in diesem letzten Buch von Wolfgang Herrndorf ebenso wie Glanzlichter eines Kampfes, den der Autor nur verlieren konnte. Oder nicht? Große Literatur ist das für Güntner jedenfalls nicht, eher die Mühle der Selbstbeobachtung, verzweifelt Exaltiertes inbegriffen. Als das eigentliche Testament des Autors erkennt Güntner denn auch etwas anderes: Den möglichen Anstoß einer Debatte über den freien Zugang zu Suizid-Mitteln nämlich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2013

Wolfgang Herrndorfs jetzt als Buch erschienenes Blog "Arbeit und Struktur" hat den Rezensenten Jens Bisky sichtlich beeindruckt. Obwohl er Inhalt und Wortlaut des Blogs kennt, liest sich das Buch für ihn noch einmal neu und anders. Er sieht darin den "literarischen Schlusspunkt" des Schriftstellers, der sich im August 2013 das Leben genommen hat, und würdigt es als eindringliches Werk von hoher schriftstellerische Souveränität. Er schätzt den Verzicht auf falsche Sentimentalität sowie auf Posen von Coolness und Härte angesichts des nahenden Endes eines Todkranken und er bewundert die "Liebe zum Leben", die aus diesem Tagebuch hervorscheint. Sein Fazit: eines der Bücher, "in denen man immer wieder blättern will".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2013

Als Dokument der Tapferkeit bezeichnet Ulrich Seidler Wolfgang Herrndorfs finales Tagebuch. Beim Lesen erfährt der Rezensent allerdings viel mehr: Was für ein pointierter, virtuoser Autor Herrndorf war. Bezeugt für Seidler in Textstellen, die an die Grenzen des Sagbaren führen, in die Psychose. Aber auch in die Natur, zu Spatzen und Mäusen und Bäumen. Dann in den witzigen Momenten, der Trauer abgetrotzt, in Augenblicken des "verschwurbelten" Philosophierens. Und nicht zuletzt in Passagen, in denen der Autor seinen Freunden ein Denkmal setzt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.12.2013

Wenn der Autor am Schluss schreibt, dass die letzten drei Jahre die besten gewesen seien, glaubt ihm der Rezensent. Für Dirk Knipphals steckt in diesem Umstand die ganze Größe dieser jetzt im Buch nachzulesenden Blogeinträge, in denen Wolfgang Herrndorf seine Krankheit begleitet hat. Von existenzieller Wucht schreibt Knipphals, aber auch vom selbst oder gerade in dieser extremen Schreibsituation für ihn spürbaren Formwillen des Autors, dessen lakonisches Genie er mit einem Satz aus Kapitel 17 von "Tschick" veranschaulicht: "In einem geklauten Lada ist eh nichts mehr peinlich." Wenn Knipphals beim Lesen auch immer wieder der Schrecken in die Glieder fährt, es ist ein heilsamer Schrecken, denn weder mit Sentimentalität oder Peinlichkeit oder hastiger Sinnsuche bedrängt ihn der Autor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013

Nicht langweilig und kaum auszuhalten findet Rezensent Tobias Rüther den nun als Buch erscheinenden Blog von Wolfgang Herrndorf. Dass der Band nicht in der Reihe Suhrkamp Taschenbuch erscheint, bei dem Titel und dem Stilwillen, scheint Rüther fast merkwürdig. Vielleicht der Humor des Autors. Denn Rüther erkennt in Herrndorf nicht nur einen Büchermenschen, sondern auch einen, der seine Trauer hinter Lustigem und Leidenschaftlichem und Bösem verstecken kann. Nicht zuletzt ist das Buch laut Rüther eines über die Freundschaft geworden. Die hat den Autor zum Glück bis zuletzt nicht verlassen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.11.2013

Als die Ärzte bei Wolfgang Herrndorf einen Hirntumor diagnostizierten, begann er einen Blog über sein Befinden zu schreiben, um seine Freunde gesammelt auf dem Laufenden halten zu können, weiß Ijoma Mangold. Die waren so begeistert von den eindringliche Einträgen, dass sie ihn dazu drängten, diese öffentlich zu machen, und das tat Herrndorf dann auch, berichtet der Rezensent. Jetzt ist das digitale Tagebuch unter dem Titel "Arbeit und Struktur" in Druckform erschienen, und es kommt Mangold so vor, als hätte Herrndorf das Buch von Anfang an vom Ende her geschrieben, so sehr wirke der Text in sich geschlossen. Es geht um sein Schreiben, um seine Naturliebe, um Freunde und um seine eigene unerbittliche "Wahrheitsverpflichtung", die für Herrndorf auch den einzigen Umgang mit seiner Krankheit bestimmte: direkte Konfrontation, erklärt Mangold.
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