Junge Frau mit Katze
Roman

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN
9783462007619
Gebunden, 320 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Daniela Dröscher erzählt von einer Frau, die endlich Verantwortung für das eigene Glück übernimmt. Zeit ihres Lebens stand Ela wortwörtlich im Schatten ihrer Mutter. Deren dicker Körper, so die Überzeugung des Vaters, war für das Unglück der gesamen Familie verantwortlich. Nun ist Ela erwachsen und es ist ihr eigener, ihr kranker, Körper, der sie verzweifeln lässt. Kurz vor dem Abschluss ihrer Promotion erlebt Ela einen Zusammenbruch. Während sie unbewusst mit der Frage ringt, ob sie ihren Platz in der akademischen Welt wirklich verdient hat, rebelliert ihr Körper: der Hals, das Herz, die Haut - Ela steht in Flammen und gerät in immer größere Panik.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 20.08.2025
Sympathie und Selbstironie sind die Schlüssel Dröschers zu ihrem Erfolgsroman, so Rezensent Michael Eggers. Die Fortsetzung des autofiktionalen Vorgängerromans "Lügen über meine Mutter" erzählt von Ela, die nun als erwachsene Frau in Berlin unter rätselhaften Symptomen leidet und sich auf eine zugleich medizinische wie existentielle Spurensuche begibt. Zwischen Prüfungsstress, Liebesverwirrung und Körperkrisen entsteht ein autofiktionales Spiel mit Identität, Krankheit und Schreiben als Rettung. Als kleines Plus wird der Text durch poetische japanische Wendungen und deren Übersetzungen geschmückt, wodurch die hypochondrischen Züge immer wieder aufgebrochen werden und sich die Ambivalenz der Protagonistin widerspiegelt. Durch diese ehrliche und emphatische Auseinandersetzung sowie die Reflexion des Erzählens an sich öffnet die Autorin die Tür zur Selbsttherapie.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.08.2025
Daniela Dröscher zeigt mit ihrem Roman "Junge Frau mit Katze", wie man Metaebenen in eine Erzählung einzieht, ohne sie damit zu überfrachten, lobt Rezensentin Ursula März: Indem man ein stabiles Fundament schafft - aus "alltagsnaher Sprache" und Dialogwitz zum Beispiel, sowie realistischen Beschreibungen vom "Aberwitz des deutschen Gesundheitssystems". In die Mühlen dieses Systems gerät Dröschers Protagonistin Ela, nachdem ihr eine Kehlkopfentzündung diagnostiziert wird. Die nun folgende Krankheitsgeschichte endet erst, als Ela sich spontan entscheidet, ihre eher leidenschaftslos voran getriebene akademische Karriere zu beenden und sich ihrem Gegenstand - einem Hochstapler - mit den Freiheiten der Fiktion zu nähern, statt auf dem Wege der Wissenschaft. Das Ergebnis dieser Annäherung: Eben jener Roman, mit dem Dröscher 2009 debütierte. Was Dröscher hier so gekonnt entwickelt, ist also auch ein forschendes, literarisches Selbstporträt - das Porträt einer Frau, die sich frei schreibt, so die beeindruckte Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2025
Nach dem Vorgänger, der 2022 für den Deutschen Buchpreis nominiert war, waren die Erwartungen der Rezensentin Melanie Mühl an den neuen Roman von Daniela Dröscher groß, haben sich aber nicht ganz erfüllt. Wie Mühl resümiert, geht es hier überwiegend um die Krankengeschichte der Protagonistin Ela, die eigentlich ihre Doktorarbeit verteidigen soll, stattdessen aber damit beschäftigt ist, ihre vielen Symptome und Krankheiten von Eileiterentzündungen bis Textilallergien zu kurieren - und bei den männlichen Ärzten nur medizinisches Gaslighting erfährt. Der "lakonische Dröscher-Sound" tröstet die Kritikerin über zu viel medizinisches Detail und Autorinnen-Namedropping hinweg, aber statt der wiederholten Beschwörungen der freudigen Einigkeit Elas mit ihrem Körper hätte sie lieber mehr über ihre Faszination mit dem "falschen Japaner" George Psalmanazar erfahren, der sich im 18. Jahrhundert Zugang zu Gelehrtenkreisen erschlichen hat. Dass nächstes Jahr die Verfilmung des Vorgängerbuches erscheint, ist aber wieder Grund zur Freude, schließt sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.08.2025
Rezensentin Judith von Sternburg bewundert Daniela Dröschers leichthändigen Umgang mit einem verwickelten Plot. Die autobiografisch gefärbte Geschichte um eine Ich-Erzählerin, die sich unter erschwerten Bedingungen als Schriftstellerin neu erfindet, hat laut Sternburg Humor und kommt nicht als therapeutische Story, auch wenn sich viele in ihr wiederfinden werden, wie Sternburg mutmaßt. Auch formal erscheint ihr der Text gewagt uneinheitlich "wie das Leben".