Wolfgang Detel

Warum wir nichts über Gott wissen können

Cover: Warum wir nichts über Gott wissen können
Felix Meiner Verlag, Hamburg 2018
ISBN 9783787334414
Kartoniert, 118 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Was können wir über Gott wissen? Nach Auffassung des Autors: nichts. Diese Auffassung ist kein Atheismus, sondern ein religiöser Agnostizismus, der zwar auf eine reiche historische Tradition zurückblicken kann (angefangen vom frühen Christentum über mittelalterliche Denker wie R. Bacon, Duns Scotus und Ockham bis zu Hume und Kant), aber im gegenwärtigen religiösen Diskurs nur eine marginale Rolle spielt. Wolfgang Detel geht in seinem Essay von dem grundlegenden Gottesbegriff der führenden monotheistischen Religionen aus, die Gott als maximal große immaterielle Person, also als unendlichen Geist betrachten. Sein zentrales systematisches Argument ist, dass wir Gott nicht einmal denken und daher erst recht nichts über ihn wissen können. Zugleich arbeitet er heraus, dass Gott selbst kein Denker sein kann.
Dabei stehen die beiden grundlegenden Merkmale Gottes im Mittelpunkt: Wenn Gott absolut perfekt ist, muss er aktual unendlich sein; aber aktuale Unendlichkeit können wir Menschen als endliche Wesen nicht denken. Und wenn Gott ein maximal großes und perfektes Wesen ist, dann muss er ein perfekter Geist sein und über optimale Denkfähigkeit verfügen; doch die Ideen eines perfekten Geistes und einer optimalen Denkfähigkeit sind inkonsistent, so dass wir Gott weder als Geist noch als Denker denken können.
Das Besondere an Detels Vorgehensweise ist der Rückgriff auf moderne wissenschaftliche Theorien der Unendlichkeit und des Geistes. Sein Essay schließt mit einigen Reflexionen über eine zeitgemäße Religiosität ohne Gott - eine Religiosität, die tiefer ist als Gott, die auf infantiles und spekulatives religiöses Wunschdenken verzichten kann, die über Ambitionen auf politischen Einfluss und dogmatische Menschenführung erhaben ist und die uns gerade deswegen erfüllen und voranbringen kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.09.2018

Tim Reiß wird nicht froh mit dem Buch des Philosophen Wolfgang Detel. Dass der Gottesbegriff widersprüchlich ist, da er Gott einerseits als Person, andererseits als unendlich fasst, diese Grundannahme des Autors fußt laut Reiß auf der Voraussetzung einer naturalistischen Theorie des Geistes. Irritierend findet Reiß auch, wie der Autor seine Analyse zu politischen Schlussfolgerungen ausformt und die Säkularisierung aller Staaten fordert. Das Buch mutiert so seiner Meinung nach von einem philosophischen Fachbuch zur religionspolitschen Kampfschrift.
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