Wolfgang Benz (Hg.), Barbara Distel (Hg.)

Der Ort des Terrors

Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager.
Cover: Der Ort des Terrors
C. H. Beck Verlag, München 2009
ISBN 9783406529610
Gebunden, 395 Seiten, 420,00 EUR

Klappentext

Zur Topographie der Verfolgung gehörten außer den eigentlichen KZ auch Vernichtungslager wie Treblinka und Sobibor, Ghettos wie Theresienstadt und Lodz und viele Sonderformen wie Arbeitserziehungslager, Polizeihaftlager, "Sonderlager" bis zum "Jugendschutzlager". Am Anfang des KZ-Systems steht jenes Lager, das im März 1933 bei Dachau errichtet wurde, am Ende Mauthausen, das als letztes KZ erst am 5. Mai 1945 befreit wurde. Die Namen einiger Konzentrationslager - Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchenwald - wurden zum Synonym des Staatsterrors, viele sind aber vergessen. Lange blieb die Historiographie der Verfolgung im KZ den ehemaligen Häftlingen überlassen. Der Ort des Terrors führt erstmals alle Forschungsergebnisse zu einer Gesamtgeschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager zusammen. In chronologischer Reihenfolge wird jedes KZ dargestellt, im Anschluss daran werden sämtliche dazu gehörenden Außen- und Nebenlager in alphabetischer Reihenfolge beschrieben. Band 1: Die Organisation des Terrors. Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. Band 3: Sachsenhausen, Buchenwald. Band 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück. Band 5: Hinzert, Auschwitz, Neuengamme. Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof. Band 7: Wewelsburg, Majdanek, Arbeitsdorf, Herzogenbusch (Vught), Bergen-Belsen, Mittelbau-Dora. Band 8: Riga. Warschau. Kaunas. Vaivara. Plaszow. Klooga. Chelmo. Belzec. Treblinka. Sobibor.'

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.01.2009

Als "lexikalisch angelegtes" Nachschlagewerk, das Informationen über die Haupt- wie auch die zahlreichen Nebenlager des nationalsozialistischen Lagersystems bündelt, ist diese von Wolfgang Benz und Barbara Distel herausgegebene mehrbändige Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager gelungen. Eine systematische und vergleichende Studie über Konzeption, Praxis und Funktionswandel des Lagersystems im Ganzen bietet das Buch jedoch nicht, fasst Rezensent Jörg Später die seinen Informationen zufolge auch in der Fachwelt geäußerte Kritik zusammen. Positiv anrechnen möchte er er der Studie die "akribische Recherche und Detailfülle", mit der vor allem auch die bislang weniger bekannten zahlreichen Außenlager greifbarer würden. Sie biete zudem eine gute Grundlage für eine noch zu leistende strukturgeschichtliche Analyse des Lagersystems. Später benennt exzessive Gewalt und Zwangsarbeit als wesentliche Gemeinsamkeiten aller Lager trotz ihrer unterschiedlichen Funktionen. Er vermisst allerdings Informationen über das Verhältnis der Lagergesellschaft und der sonstigen Bevölkerung gerade im Fall der teilweise mitten in Städten gelegenen Außenlager.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.04.2007

Eine "verdienstvolle Dokumentation" sieht Rezensentin Karin Orth in der von Wolfgang Benz und Barbara Distel herausgegebenen, auf neun Bände angelegten Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Während der erste Band nach Angaben von Orth Organisation und Strukturen der KZ behandelt, untersuchen die Folgebände je zwei oder mehrere KZ und die dazu gehörenden Außenlager. Die nun vorliegenden Bände 3 und 4 über Sachsenhausen, Buchenwald, Flossenbürg, Mauthausen und Ravensbrück verdeutlichen für Orth, dass es neben den Besonderheiten der einzelnen Lager übergreifende, auf alle Lager zutreffende Entwicklungen gibt. Sie nennt in diesem Zusammenhang etwa die wachsende Zahl der Insassen seit Kriegsbeginn, die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge, systematische Tötungsaktionen und Deportationen der jüdischen KZ-Insassen in die Vernichtungslager wie Auschwitz. Orth würdigt die vorliegenden Bände als "detail- und faktenreiche Nachschlagewerke". Allerdings verweist sie darauf, dass sie keine quellenkritische Reflexionen, eine Auseinandersetzung mit Debatten der NS-Forschung oder eine historiografische Einordnung der Fakten bieten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.11.2005

Alfred Cattani hält es für höchste Zeit, dass sich die Forschung der systematischen Untersuchung der nationalsozialistischen Konzentrationslager widmet und begrüßt deshalb die ersten beiden Bände der auf zehn Bände angelegten Darstellung. Während der erste Band die "Struktur und Dynamik" der KZ beschreibt, werden im zweiten Band erst die als erstes entstandenen ca. 100 Lager in Deutschland beschrieben, dann der "Komplex" von 15 KZs im Emsland in den Blick genommen und zuletzt das KZ Dachau als "Keimzelle" des später ausgeweiteten Unterdrückungssystems dargestellt, fasst der Rezensent zusammen. Seiner Ansicht nach ist die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager von "kaum zu überschätzenden Bedeutung", weshalb er sich zufrieden zeigt, dass mit den vorliegenden Bänden diese Aufgabe "in Angriff genommen" ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.10.2005

Auf insgesamt neun Bände ist das Unternehmen der beiden Historiker Barbara Distel und Wolfgang Benz angelegt, eine umfassende Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager herauszugeben. Für Christian Semler ein notwendiges Unterfangen zur rechten Zeit. Denn einerseits sei eine solche faktenbasierte Arbeit immer noch nicht geleistet, betont Semler, worüber die vielen Werke hinwegtäuschen könnten, die aus philosophischer und soziologischer Sicht Erklärungen zum KZ-System beigesteuert haben. Andererseits drohe das "bereits Gewusste", zitiert Semler die Forscherin Gertrud Koch, "fiktional verdünnt" zu werden. Der einleitende Sammelband nun befasst sich mit der Organisationsgeschichte des Lagersystems, der zweite beginnt die monografische Reihe über die frühen Lager mit Untersuchungen zu Dachau und dem Emslandlager. Die Beiträge in beiden Bänden lobt Semler als "kurz, komprimiert und doch in der Regel gut lesbar" und immer bemüht, Basiswissen und den neuesten Forschungsstand zu vermitteln. Bleiben einige Kritikpunkte: Semler hätte sich gewünscht, dass das (Nicht)-Verhältnis der deutschen Bevölkerung zu den Lagern näher thematisiert worden wäre, ebenso wie die Rolle der politischen Funktionshäftlinge. Schließlich fehlt ihm auch eine Auseinandersetzung mit der autobiografischen Literatur ehemaliger Häftlinge.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.06.2005

In der siebenbändigen Reihe "Der Ort des Terros" widmen sich das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung und die Gedenkstätte Dachau gemeinsam einer systematischen Geschichte der Konzentrationslager, wie Dieter Pohl mitteilt. Deren erster, jetzt vorliegender Band über "Die Organisation des Terrors" umfasse ein Spektrum von Aufsätzen, das unter anderem die systematischen Vernichtungaktionen, die Situation der Frauen in den Lagern, die "Todesmärsche", die Lagerarchitektur sowie die Menschenversuche thematisiere. Wenngleich der Rezensent an dem einen oder anderen der Beiträge, obwohl von namhaften Experten verfasst, Mängel feststellt, stuft er das Gros der Untersuchungen als äußerst gewinnbringend ein, so dass er insgesamt von einem "wichtigen Überblickswerk" spricht, das "unverzichtbar für die Wissenschaft" sei, "vor allem aber für die breite Öffentlichkeit, die zuverlässiges Wissen über diese schreckliche Zeit braucht."
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