Wladimir Konstantinowitsch Wolkow

Stalin wollte ein anderes Europa

Moskaus Außenpolitik 1940 - 68
Cover: Stalin wollte ein anderes Europa
Edition Ost, Berlin 2003
ISBN 9783360010469
Kartoniert, 287 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Harald Neubert. Der russische Historiker Wolkow entdeckte bei seiner Sichtung historischer Dokumente aus dem russischen Präsidentenarchiv bisher unveröffentlichte Papiere, darunter auch die Niederschriften über die Gespräche Stalins mit den Führern der SED und der DDR zwischen 1947 und 1952, die noch immer als "schwer zugänglich" gelten. Gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Neubert wertete er die Unterlagen aus, aus denen sich eine ganz neue Darstellung von Moskaus Außenpolitik in Osteuropa zwischen 1940 und 1968 ergibt. Es lässt sich eine eigenständige Machtpolitik rekonstruieren, bei der die Interessengebiete auf der europäischen Landkarte, die man mit unterschiedlichen Mitteln zu besetzen hoffte, schon abgesteckt waren. Deutschland war als neutrale "Pufferzone" zum Westen gedacht. Insofern liefert das Buch auch einen interessanten Blick auf die Hintergründe der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2003

Der deutsche Titel von Wladimir K. Wolkows Buch sei "irreführend", da es nicht um Stalins Europakonzeption gehe, befindet Helmut Altrichter und verweist auf den treffenderen Originaltitel: "Kernprobleme der neuesten Geschichte der Länder Mittel- und Osteuropas". In der Tat dokumentiere Wolkow, Direktor des Akademie-Instituts für Slawistik, in sechs Studien die sowjetischen Außenpolitik und Stalins Politik "aus sowjetischer Sicht", erzählt Altrichter. Neueste Quelle sei dabei das Präsidentenarchiv, dessen Bestand noch immer zu den "streng gehüteten russisch-sowjetischen Arkana" gehöre. Rezensent Altrichter weiß außerdem zu berichten, dass Wolkow das zweite Kapitel nachträglich für die deutsche Ausgabe verfasst hat: Er widerspreche darin der "Präventivkriegsthese", Hitler sei im Sommer 1941 nur einem sowjetischen Angriff zuvorgekommen. Altrichter hebt weiterhin die Kapitel über Stalins Expansionspläne im Bund mit Hitler und über den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei hervor. Wenn auch die Erkenntnisse nicht unbedingt neu seien, so möchte Altrichter doch das symbolische Verdienst von Wolkow würdigen: "Gemessen am Stand der sowjetischen Geschichtswissenschaften vor der Perestrojka ist jedes Kapitel dieses Buches ein schwerer Tabubruch, der eine Publikation zu Sowjetzeiten mit Sicherheit verhindert hätte".
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