In Holocaust Lite stellt William Collins Donahue die These auf, dass Bernhard Schlinks viel gelesene und hoch gepriesene Nazi-Romane sowie ihre Verfilmungen - Werke, die die Nazizeit und den Holocaust direkt ansprechen - letztlich dieser Thematik nicht gerecht werden können. Der Holocaust wird stattdessen gerade in diesen Werken ihrer angeblichen Direktheit zum Trotz viel eher marginalisiert und dadurch für die weltweite Leserschaft (vielleicht vor allem für US-Amerikaner) erträglich beziehungsweise lite gemacht. Diese Studie untersucht das Schlink-Phänomen nicht nur im deutschen kulturellen Kontext (z.B. in den Schullehrbüchern), sondern auch als uramerikanisches Ereignis, das viel mehr die Holocaustmüdigkeit als den Holocaust selbst dokumentiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2011
William Donahue, Professor für German Studies und Jewish Studies in North Carolina, inszeniert hier einen "Indizienprozess", konstatiert Rezensent Andreas Kilb. Bernhard Schlinks "Vorleser" werde der Verharmlosung der Holocaust-Täter angeklagt und für schuldig befunden, so der Rezensent. Nun hat man derlei Vorwürfe bereits in der Vergangenheit mehrfach an Schlink herangetragen, wie sich Kilb erinnert. Neu an Donahues Buch findet er allerdings die eklatante Fragwürdigkeit der aufgefahrenen Argumente. Dass ein Kritiker des "New Yorker" nach der Lektüre des "Vorlesers" den Auschwitz-Prozess von 1965 für "unbedeutend" hielt, sei nach Donahues Einschätzung ebenso Schlink anzulasten wie ein von Oprah Winfrey abgegebenes falsches Zitat aus der Zeugenaussage der Protagonistin Hanna. Eine Beweisführung, die die Rezeption eines Werkes gegen dieses in Anschlag bringt, "hat mit seriöser Kritik nichts zu tun", so Kilb. Daher geht für ihn der "Vorleser" letztlich als Sieger aus dem Schauprozess hervor - was der Kritiker mitnichten bedauernswert findet.
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