Willard Van Orman Quine

Wissenschaft und Empfindung

Die Immanuel Kant Lectures
Frommann-Holzboog Verlag, Stuttgart 2003
ISBN 9783772820069
Paperback, 134 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Übersetzt und eingeleitet von H. G. Callaway. Quines "Kant Lectures", 1980 an der Stanford University gehalten und bislang nur auf italienisch publiziert, erscheinen nun erstmalig in deutscher Übersetzung. In ihnen geht Quine der elementaren Frage nach, wie wir aufgrund bloß sporadischer Aktivitäten unserer Sinnesrezeptoren zu einer komplexen Theorie der externen Welt gelangen. Ausgehend von Wittgensteins Argument gegen die Möglichkeit einer privaten Sprache entwickelt Quine die Grundzüge seines behavioristischen Ansatzes, führt seine Theorie des Geistes, der Sprache und der Bedeutung aus und liefert eine Verteidigung des monistischen Physikalismus. Diese reichhaltigen "Kant Lectures" stehen in engem Zusammenhang mit Quines wichtigem Buch "Roots of Reference" und werfen ein neues Licht auf seine späteren Publikationen insgesamt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2003

Dem englischen Philosophen Willard Van Orman Quine ist die Wiederbelebung des "philosophischen Pragmatismus" im anglo-amerikanischen Raum zu verdanken, erklärt der mit "Lx" zeichnende Rezensent, und die vorliegenden vier Vorlesungen über Immanuel Kant, die er 1980 an der Stanford-Universität gehalten hat, gehören ebendieser Wiederbelebung an. Quine beschäftige sich hier mit der "Differenzierung und Ausarbeitung seines Konzepts von menschlicher 'Sensibilität' ". Er gehe von der These aus, dass der Mensch, als "gespaltenes Tier" zwei verschiedenen Erfahrungswelten angehöre - einerseits der empirischen Wahrnehmungswelt und andererseits der "von Menschen konstituierten Erfahrungswelt". Davon ausgehend, so der Rezensent, thematisiere Quine unter anderem die Frage der Angst und die Unmöglichkeit, sie dem Anderen zu vermitteln. Mit der deutschen Übersetzung ist der Rezensent allerdings höchst unzufrieden, er findet sie "sperrig" und "fast stümperhaft" und bemerkt, dass sich vielmehr die grundsätzliche Frage stelle, ob eine Übersetzung hier überhaupt sinnvoll sei, denn der "interessierte Leser" ziehe es sicherlich vor, die bislang gänzlich unveröffentlichten Vorlesungen im Original zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.07.2003

Manfred Geier war gespannt, wie Quine sich in seinen "Kant Lectures" zu eben diesem "Protagonisten eines metaphysischen Dualismus" positionieren würde. Wie der Rezensent erwartet hatte, stimmte Quine der Kantschen Zweiteilung der Welt in Materie und Geist nicht zu. In seiner "physikalistischen" Weltsicht gebe es nämlich nur "eine Welt als alles, was der Fall ist. Und dieses Ganze alles Seienden ist rein körperlich", referiert Geier. Als Beispiel nennt er die Sprache, die für Quine lediglich "ein physikalisches Phänomen, ein Muster der Muskelbewegung" sei. Allerdings dokumentierten die jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erschienen Kant-Vorlesungen, "wie sich dieser physikalische Monist mit den Phänomenen herumplagte, an deren Existenz auch er nicht zweifeln konnte: Menschen leben in einer intersubjektiv geteilten Welt der Bedeutungen, der Gedanken und Überzeugungen."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2003

Wenn wir unsere innere Welt beschreiben, woher wissen wir dann, ob das stimmt, was wir sagen? Schließlich sehen wir ja nicht wirklich was. Der pragmatische Ratschlag des Philosophen Willard Van Orman Quine: Lieber Begriffe benutzen, die sich durch Verhalten prüfen lassen. Ist schließlich sowieso schon alles kompliziert genug mit der Sprache und den Gedanken beziehungsweise mit den "vertrackten Problemen der Referenz", die Quine ein Leben lang beschäftigten. Auch der Rezensent Walter Grasnick macht es nicht eben einfacher, sondern lässt ein wenig rätseln, mit welcher Art von Denker wir es zu tun haben. Immerhin beruft er Quine zu Gerhard Schröders philosophischen Schutzheiligen, weil er Entsagung und die Beschränkung auf das Nötigste forderte, allerdings im Denken und Bedenken. Die vorliegenden Kant-Lectures, erfahren wir dann noch, wurden 1980 gehalten und sind im englischen Original unveröffentlicht. Grasnick findet sie nicht besonders gut als Einführung in Quines Schaffen, und die Einleitung des Übersetzers findet er "noch schwächer". "Zum Glück aber", schreibt er, "kann der Leser selbst hier noch mitbekommen, wie Quine gedacht hat". Nämlich kreativ und souverän. Wir müssen es ihm glauben.
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