Es scheint an ihr zu fehlen: Die fortschreitende Moderne wühlt die Menschen dermaßen auf und wirbelt ihr Leben so sehr durcheinander, dass die Sehnsucht nach Gelassenheit wächst. Sie war ein großer Begriff seit der Antike. In der Moderne aber geriet sie in Vergessenheit. Sie wurde zum Opfer des modernen Aktivismus, des wissenschaftlich-technischen Optimismus. Die Zurückhaltung, die sie verkörperte, galt nicht als Tugend. Eine bestimmte Lebenszeit schien lange wie geschaffen für die Gelassenheit: Das Älterwerden. Aber auch daraus ist eine stürmische Zeit geworden, die Gelassenheit will nicht mehr so ohne Weiteres gelingen. Wie ist sie wiederzugewinnen? Kann die älter werdende Gesellschaft eine gelassenere sein? Ein Buch für die Zeit, in der Gelassenheit zur begehrten Ressource wird, sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft.
Wilhelm Schmid tappt in seinem Buch "Gelassenheit" nicht in "die üblichen Fallen der Lebensberatung", lobt Franz Schuh. Akzeptierte Wahrheiten machen gelassen, weil das Zweifelhegen kräftezehrend ist, liest der Rezensent dort - leider sind die meisten Wahrheiten nur so dringend anzuzweifeln, meint Schuh. Und das positive Umwenden des Negativen, der Feindschaft zum Beispiel, die immerhin ein wenig Kontinuität ins Leben bringe, dieses Umwenden, das die unbedingte Stärke dieses Buches ist, ist eine zeitaufwendige Kunst, für die man die Gelassenheit erst einmal finden müsste, erklärt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2014
Für Leser ab 60, doch wohl auch darunter und darüber, bietet dieser Band laut Thomas Groß eine große Bandbreite an philosophischen Ratschlägen, die dem Rezensenten über diejenigen eines Richard David Precht hinauszuragen scheinen. Dass der Philosoph Wilhelm Schmidt hier keine systematische Studie vorlegt, scheint den ihn nicht zu stören. Im Gegenteil, als Meditation, als generalisierender Gedankenweg mit häufig persönlicher Perspektive imponiert ihm das Büchlein. Wie sich Gelassenheit an der Schwelle zum Alter erlangen lässt, lernt Groß hier allemal, zumal der Autor seine Lehrerfahrung und seine Zeit als Seelsorger nutzt, um dem Leser in gut sokratischer Tradition mit grundsätzlichen Fragen zu konfrontieren. Lebenskunst ohne Fußnoten, wie ein gutes Gespräch, meint Groß.
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