Ausgewählt und mit einem Essay von Robert Gernhardt. "Vom Leben geglüht, mit Fleiß gehämmert und nicht unzweckmäßig zusammengesetzt": so bezeichnete Busch seine Bildergeschichten. Man kann es auch, wie Robert Gernhardt, anders ausdrücken: geschmacklos, kaltblütig, ohne Mitgefühl und Hintersinn hat Busch "niedergemacht, was den Zeitgenossen heilig war: die Ehe, die Kirche, den Sinn des Lebens, die Erziehung, den gepflegten Suff und die holde Kunst." Aber der Kunst entgeht man nicht so leicht. Heute erscheint uns der Meister als unfreiwilliger Prophet, von dessen Erfindungen bis heute der Comic zehrt, als bedenkenloser Vorläufer der Amerikaner von Chaplin bis zu den Marx Brothers und als ironischer Pionier der sogenannten Avantgarde. Die Ausgabe greift auf frühe Vorlagen zurück, die den Strich des Meisters ohne Verfälschungen zeigen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2000
Wilhelm Busch einmal als Klassiker, der jedoch von Robert Gernhardt nicht auf das Besinnliche, Erbauliche und Heitere" zurecht gestutzt wurde, schreibt Lutz Hagestedt über den Band "Da grunzte das Schwein, die Englein sangen". Vielmehr entfalten die Geschichten von Max und Moritz über die frommen Helene bis zum Affen Fipps hier ihre barbarische, grausame Seite ungeschönt. Auch die CD-Auswahl "Ein Dreifach-Tusch für Wilhelm Busch", die auf das gelesene Wort samt musikalischer Begleitung - durch Frank Wolff am Cello - vertrauen muss, hat dem Rezensenten gut gefallen. Lobend erwähnt werden Nachwort und Gespräch mit Gernhardt, der hier "eindrucksvoll vorführt", wie Busch "mit seinen komischen Mitteln praktisch die gesamte moderne Malerei vorweggenommen hat". Tatsächlich?
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