Herausgegeben von der Lessing-Akademie Wolfenbüttel. Goethe (1749-1832) und Lessing (1729-1781) sind sich nie begegnet, obwohl ihre Lebensräume zumeist nicht weit auseinander lagen. Soweit wir wissen, ist auch nie ein Brief zwischen ihnen gewechselt worden. Als Goethe in Leipzig ersten Poetenruhm zu erringen sucht, ist Lessing bereits eine Orientierungsgröße des Theaters und eine - auch gefürchtete - kritische Autorität ("Laokoon", "Minna von Barnhelm", "Hamburgische Dramaturgie"). Als Goethes Stern mit "Götz" und "Werther" aufgeht, beobachtet der Wolfenbütteler Bibliothekar den jungen Autor zugleich skeptisch als Repräsentanten der neuen, zügellosen Genie-Generation. Im Jahre 1775 rücken beide mit ihren "Faust"-Projekten in knisternde Nähe zueinander. Das Ineinander von objektivierbarer historischer Konstellation und psychologischem Aspekt ist aussagekräftig und nicht hinreichend genau untersucht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2001
In einer knappen Notiz macht der mit kru. zeichnende Rezensent auf einen interessanten Aufsatz des Göttinger Germanisten Wilfried Barner aufmerksam. Gegenstand ist das Verhältnis von Goethe und Lessing, wobei Barner den Teminus "Nicht-Verhältnis" für treffender halte. Er weist nach, informiert kru, dass die beiden Größen sogar in eine Art Konkurrenz bezüglich ihrer literarischen Projekte gestanden hätten und dadurch, trotz räumlicher Distanz, eine "knisternden Nähe" entstanden sei.
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