Werner Hofmann

Degas und sein Jahrhundert

Cover: Degas und sein Jahrhundert
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406564970
Gebunden, 320 Seiten, 68,00 EUR

Klappentext

In seinem neuen Buch gibt Werner Hofmann einen umfassenden Überblick über das wegweisende Werk des Malers, Grafikers und Fotografen Edgar Degas. Der mit über 200 Abbildungen großzügig illustrierte Band führt durch die Bildwelten des Malers, die mit ihren formalen Innovationen, ihrem Realismus und ihrer Erschließung der Tag- und Nachtseiten der modernen Gesellschaft weit in die Kunst des 20. Jahrhunderts vorausdeuten. Dabei gelingen Hofmann selbst bei den bekanntesten Bildern überraschende neue Einsichten. Edgar Degas (1834-1917) nahm zwar an den Gruppenausstellungen der Impressionisten regelmäßig teil, ging jedoch von Beginn an seine eigenen Wege. Dem harmonischen Wirklichkeitssinn seiner Malerkollegen setzte er seine spannungsreichen Bilder des gesellschaftlichen Lebens entgegen. Er deckte die Brüchigkeit der bürgerlichen Welt und ihrer menschlichen Beziehungen auf und begab sich in die Randzonen der Gesellschaft, wo vor allem die Frauengestalten seinen künstlerischen Blick auf sich zogen, die Büglerinnen und Modistinnen, die Tänzerinnen und die Prostituierten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2007

Als inhaltlich und optisch hervorragend, sprachlich aber etwas anstrengend beurteilt Rezensentin Elke von Radziewsky den "üppigen Bildband" des Kunstwissenschaftlers und ehemaligen Direktors der Hamburger Kunsthalle, Werner Hofmann. Auch wenn es so aussehe, sei das Buch "kein bloßes Coffeetable-Buch", denn es biete interessante Forschungsergebnisse und vor allem den Zugang des "wunderbaren Bilderlesers" Hofmann zu Degas Werken, wenn man sich auf seine von Referenzen und "Worthuberei" beschwerte Gedanken einlassen könne. Degas, der gerne kräftige Frauen zweidimensional auf Leinwand bannte, ist für den Autor nicht, wie oft konstatiert, ein Impressionist, sondern ein Realist, ein "Maler der gesellschaftlichen Entfremdung". Großartig findet die Rezensentin die Präsentation der Werke, schade hingegen den dazugehörigen "Wörter- und Bildungsdschungel", der das Buch eigentlich nur für "hartgesottene Leser" empfehlenswert mache.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2007

Ganz angetan zeigt sich Andreas Strobl von Werner Hofmanns Buch über Edgar Degas. Besonders verdienstvoll scheint ihm, dass der Autor den ganzen Degas in den Blick nimmt und nicht nur die berühmten Werke untersucht. Er betont in diesem Kontext Hoffmanns Interesse gerade für die kaum bekannten Bilder des Künstlers, dessen "grandiose Porträts" und "spannende Bildideen". Auch über die Experimentierfreude des Malers hat Strobl hier einiges gelernt. Er unterstreicht den Ansatz des Autors, Degas als Realisten zu begreifen, als "Analytiker eines gesellschaftlichen Helldunkels". Der "Kolorist" Degas kommt darüber in seinen Augen ein wenig zu kurz. Kritisch sieht er zudem Hoffmanns manchmal teleologisch angehauchte Interpretationen, was er für ihn angesichts der subtilen Bild-Analysen und der unprätentiösen, gut lesbaren Darstellung nicht weiter negativ ins Gewicht fällt. Sein Fazit: Hoffmann stellt einen Degas "jenseits der Klischees" vor.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007

Ins Schwärmen gerät Rezensent Willibald Sauerländer beim Betrachten der 230 Abbildungen, die in Werner Hofmanns Buch über Edgar Degas zu finden sind. Aber auch sonst hat ihn das Buch nachhaltig beeindruckt. Er würdigt Hofmanns sensiblen, genauen und vorurteilslosen Blick auf Degas. Sein Ansatz, Degas vom Realismus Courbets her verständlich zu machen, ihn nicht als Impressionisten, sondern als Realisten mit gesellschaftlichen Interesse zu deuten, scheint Sauerländer sehr instruktiv. Auch Hofmanns These, bei Degas habe es sich keineswegs um einen Frauenverachter gehandelt, hat ihn überzeugt. Allerdings bleibt der Maler für ihn doch immer noch ein Bürger, der die Ausbeutung der Frauen relativ unbeteiligt beobachtet. Dass Degas soziales Rollenverhalten brandmarkte, wie Hofmann meint, würde Sauerländer so wohl nicht unterschreiben. Ansonsten kann er sich den Ausführungen des Autors anschließen und bescheinigt ihm, mit seinem Werk unseren Blick auf Degas erheblich erweitert zu haben.
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