Herausgegeben von Alexander Jaser, Clemens Picht und Ernst Schulin. Walther Rathenau zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der Geschichte der deutschen Demokratie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als kulturell und politisch interessierter, schriftstellerisch tätiger Geschäftsmann hatte er ein starkes Bedürfnis, seine Meinung und Gesinnung in menschlichen, politischen und wirtschaftlichen Fragen zu erläutern und zu rechtfertigen. Das hat zu einer umfangreichen Korrespondenz mit vielen berühmten, aber auch unbekannten Zeitgenossen geführt. Innerhalb der Walther-Rathenau-Gesamtausgabe erscheinen jetzt nach jahrzehntelanger Vorbereitung diese privaten und geschäftlichen Briefwechsel in zwei Teilbänden. Die bereits 1926-1930 von Rathenaus Familie veröffentlichte Briefauswahl wird damit nicht nur korrigiert und durch kommentierte Anmerkungen erschlossen, sondern um weit mehr als das Doppelte erweitert. Das wurde ermöglicht durch zahlreiche Funde in in- und ausländischen Archiven, insbesondere in dem 1992 in Moskau wieder entdeckten Rathenau-Nachlass.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2006
Lobend beurteilt Eberhard Kolb den im Rahmen der Walter-Rathenau-Gesamtausgabe erschienenen Doppelband mit den Privat- und Geschäftsbriefen. Weder die Textgestaltung der 3088 präsentierten Dokumente noch die hervorragende Kommentierung oder der informative Personenindex lassen für ihn irgendwelche Wünsche offen. Zudem zeichnet sich die neue Edition gegenüber der älteren Briefsammlung durch den vollständigen Abdruck aller überlieferten Briefe aus. Neben den Briefen aus der Jugendzeit, die ein anschauliches Bild vom gesellschaftlichen Umfeld Rathenaus vermitteln, hebt Kolb die Korrespondenz mit zahlreichen Schriftstellern und Literaten, darunter Hauptmann, Rilke und Hofmannsthal, hervor. Ein neues Bild des Politikers vermittelt die Korrespondenz seines Erachtens aber nicht, so aufschlussreich viele Briefe ihm auch erscheinen. Auch sensationelle neue Brieffunde hat Kolb nicht gemacht. Allerdings bietet die neue Briefedition zu seiner Freude zahlreiche illustrierende Details zu verschiedenen Punkten der Biografie. Außerdem sieht er in der vorliegenden Sammlung die "Entwicklung und Entfaltung einer ungewöhnlichen Persönlichkeit in eindringlicher Weise dokumentiert".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2006
Als "gigantische Editionsleistung" feiert Rezensent Gandolf Hübinger diese beiden "üppigen" Bände mit Briefen Walther Rathenaus, seinen Informationen zufolge durchnummeriert von Nr. 1, in dem der knapp Vierjährige an den Papa vom Eselreiten und Maikäferfangen berichtet, bis zu Nr. 3088 an den Schriftsteller Hermann Bahr zwei Tage vor seiner Ermordung. Quer durch "etablierte Milieus" und eher abseitige Gruppierungen seiner Zeit führt die Liste der Korrespondenzpartner, lesen wir. Ganz gleich, zu welchem Thema sich Rathenau auch äußert, immer sieht der Rezensent in den Briefen die politische und soziale Gesamtsituation mitschwingen, obwohl die knapp tausend politischen Briefe des Industriellen, Schriftstellers und deutschen Außenministers in dieser Edition noch gar nicht enthalten sind. Akribisch hätten die Herausgeber außerdem Biografien der Briefpartner Rathenaus rekonstruiert, was den 125 Seiten langen Index im Anhang zu einem "eindringlichen Who is who" der kaiserlichen Wirtschafts- und Kulturgeschichte mache. Überhaupt sei diese Edition durch ihre "sorgfältige Kommentierung" nun wohl eine der besten Quellen zum Aufbruch der Deutschen in die Demokratie.
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