Aus dem Amerikanischen von Rainer G. Schmidt. Einer der bildmächtigsten Lyriker des 20. Jahrhunderts in einer zweisprachigen Ausgabe aus der Hand eines Übersetzers: Ein Fest der Sprache und der Fantasie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2014
Für Rezensentin Stefana Sabin gehört Wallace Stevens mit seiner metaphorischen Strenge und der zwischen impressionistischer und expressionistischer Abstraktion angesiedelten Momentaufnahme als Gestaltungselement fraglos zu den bedeutendsten Lyrikern seiner Generation. Die Einfachheit der Syntax in den Texten sieht sie durch eine Neigung zu komplexer Assoziation kompensiert. Allerdings weiß Sabin auch, wie schwer sich das registerreiche moderne Idiom des Autors ins Deutsche übertragen lässt. Beim diesem neuen zweisprachigen Auswahlband schaut sie daher besonders auf die Güte der Übertragung und stellt fest, dass sich der Übersetzer Rainer G. Schmidt mitunter an der metalyrischen Mehrdeutigkeit des Originals überhebt bzw. Doppeldeutigkeit schafft, wo Stevens eindeutig ist, romantisch wird, wo das Gedicht eigentlich in sprachlicher Kühle erscheint. Einen guten Eindruck vom Werk Wallace Stevens' bekommt Sabin mit dem Band aber dennoch.
Dieser Dichter vermag Jörg Magenau die Welt neu zu erschließen! Dass Wallace Stevens bei uns dennoch eher unbekannt ist, kann Magenau kaum fassen. Wenn nun die bislang umfangreichste Gedicht-Auswahl aus seinem Werk erscheint, frohlockt der Rezensent, zumal die zweisprachige Ausgabe, von Druckfehlern einmal abgesehen, mit einer laut Magenau zugleich nah am Original bleibenden wie mutigen, weitgehend nachvollziehbaren Übertragung durch Rainer G. Schmidt aufwartet. Für den Rezensenten spielt Stevens in einer Liga mit Eliot, Ezra Pound und William Carlos Williams. Besonders erscheint ihm, wie der Prozess der Entstehung, etwas Zusammengestelltes, stets in den Gedichten präsent ist und wie sich daraus dennoch ein Ganzes ergibt. Die große Kunst des einfachen, impressionistischen Schauens und Aufnehmens kann er bei Stevens beobachten. Keine symbolischen Spielchen belasten seine Lektüre, immer erkennt er den Gegenstand im Zentrum dieser Poesie. Derart unpathetisch den Gegenstand in der Sprache feiern zu können, wie Heidegger es nie vermochte, als dessen dichterischen Zeitgenossen er Stevens bezeichnet, ist großartig, findet Magenau.
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