Das Meer war für Thomas Mann sein Leben lang der Ort der Sehnsucht und des verheißungsvollen Sogs in die Tiefe. Deutsche Romantik und Todessehnsucht - und Ort der Befreiung von den Konventionen, den politischen, literarischen, erotischen Zwängen des bürgerlichen Lebens. Ort der Freiheit und des wahren Ich.Vielleicht fängt alles dort an, wo seine Mutter das Glück der Kindheit erlebt: im brasilianischen Urwald, in einem großen, hellen Haus am Meer. Mit sieben kommt sie nach Travemünde, in die deutsche dunkle Kälte, mit einer Sehnsucht, die bleibt. Ihr Sohn Thomas wächst an der Ostsee auf, in Lübeck, aber sobald er kann, geht er in den Süden, reist nach Italien, ans Mittelmeer, verliebt sich in junge Männer, folgt aber den Konventionen der Zeit und heiratet Katia. Jahre später: Der Gang ins Exil. In Kalifornien, am Pazifik, wird er noch einmal ein anderer: Er kämpft gegen Hitler, für die Demokratie, für die Freiheit und nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Nach seinem Tod lebt seine Lieblingstochter Elisabeth sein Vermächtnis als weltweit gefeierte Meeresforscherin in ihrer utopischen ozeanischen Politik fort.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2023
"Fulminant" findet Rezensent Thomas Ribi Volker Weidermanns Buch über Thomas Manns Liebe zum Meer, besonders zur Ostsee, an der er aufgewachsen ist. Dank Weidermann kann Ribi dieses Verhältnis jetzt etwas näher erkunden und wundert sich nach der Lektüre, warum bislang niemand diese so offensichtlichen Bezüge erkannt hat. Bei den 'Buddenbrooks', im 'Zauberberg' und, natürlich, auch im 'Tod in Venedig' ist diese Liebe, diese enge Verbindung zum Meer für den Kritiker nun deutlich ersichtlich und hilft ihm, das Werk Manns in neuen Zusammenhängen zu lesen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.07.2023
Bei Thomas Mann gibt es zwar diese "gut versteckten Untiefen des Kitsches", schreibt Rezensent Nicolas Freund, aber diese üben trotz ihrer Flachheit einen "sanften Sog" aus, kann er nach der Lektüre von Volker Weidermanns Essay bestätigen. Der Autor und Zeit-Feuilletonchef Volker Weidermann reiste für sein Buch sogar nach Brasilien, um am Geburtshaus von Thomas Manns Mutter Seeluft zu schnuppern. Das Meer sei bei Mann "ein komplexes Metaphernfeld", so Freund mit Weidermann. Aber Weidermann bereite das so gekonnt auf, dass sich das Buch sogar als Strandlektüre eigne.
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