Volker Ullrich

Der ruhelose Rebell

Karl Plättner 1893-1945
Cover: Der ruhelose Rebell
C. H. Beck Verlag, München 2000
ISBN 9783406465857
Gebunden, 266 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

In den frühen zwanziger Jahren, der fieberhaft erregten Nachkriegszeit, war er der Schrecken der Bürger: Karl Plättner. Nach dem gescheiterten mitteldeutschen Aufstand vom März 1921 scharte er einen Kreis gleichgesinnter Draufgänger um sich und praktizierte die "individuelle Expropriation der Expropriateure". Über Monate verbreitete die Plättner-Gruppe Furcht und Schrecken im besitzenden Bürgertum. Sie überfiel Bankfilialen und plünderte Werkskassen, nicht um sich zu bereichern, sondern um - wie sie glaubte - die soziale Revolution voranzubringen. Im Mittelpunkt dieses Buches stehen die spektakulären Enteignungsaktionen der Plättner-Gruppe mit ihren abenteuerlichen, mitunter auch skurrilen Aspekten, doch geht der Autor auch auf den großen Prozess vor dem Staatsgerichtshof 1923 und auf die langen Jahre hinter Kerkermauern ausführlich ein. Am Ende stehen Plättners Martyrium in verschiedenen nationalsozialistischen Konzentrationslagern und sein Tod nur wenige Wochen nach der Befreiung Anfang Mai 1945.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.01.2001

Wilhelm von Sternburg spricht dem Autor das Verdienst zu, der erste und dabei ein "unbestechlicher" Biograf Plättners zu sein, einem "Sozialbanditen" und "ruhelosen Rebellen", wie er von Ullrich genannt wird. Dabei unterschlage der Autor nicht, dass Plättners Aktivitäten zwischen "Idealismus und Wahnwitz" angesiedelt waren und spätestens seit seiner Inhaftierung in den 20er Jahren Züge von "Wirklichkeitsverlust" und Wahn sich bemerkbar machten, die ihn zwischenzeitlich in die Irrenanstalt brachten. Obwohl er dem Autor in der Einschätzung folgt, dass der politische Einfluss Plättners gering war, und er nicht wirklich verändernd ins Zeitgeschehen eingreifen konnte, beschreibt Sternburg den Anarchisten fasziniert als Gestalt, die an Robin Hood und Thomas Müntzer, an Schillers Karl Moor und Kleists Michael Kohlhaas erinnert und der seine Nachfolgerin in Ulrike Meinhoff gefunden hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2000

In einer insgesamt wohlgesonnenen Kritik hält sich Eberhard Kolb mit einer Stellungnahme zurück und begnügt sich mit einer Skizzierung des Buchinhalts. Besonders treibt ihn dabei die Frage um, ob dieser Linksradikale der Weimarer Republik, der durch Banküberfälle die "Expropriateure epropriieren" wollte, mit den späteren Terroristen der Bundesrepublik zu vergleichen sei. Mit Ullrich kommt er zu dem Schluss, dass trotz einer manchmal ähnlich wirkenden Rhetorik die Unterschiede überwiegen - Plättner kam aus dem proletarischen Milieu und ganz so extrem wie die Baader-Meinhof-Gruppe war er nicht: Er achtete darauf, dass bei seinen Überfällen niemand zu Schaden kam. Insgesamt lobt Kolb den Autor dafür, dass er Plättner gerecht werde, ohne der "Frage nach Legitimität oder Illegitimität von politischer Gewalt" auszuweichen. Als Leser der Rezension hätte man allerdings auch gern etwas über Ullrichs Antwort erfahren.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000

Auch aus vielerforschten Zeiten gibt es immer noch interessante Wiederentdeckungen. Urs Haffner legt in seiner knappen Kritik nahe, dass es sich beim Protagonisten des Buchs von Zeitredakteur Volker Ullrich um eine solche handelt: Als radikaler Linker wollte Karl Plättner mit seiner “Plättner-Bande”, einer “anarchistischen Splittergruppe”, die Massen zur Revolution aufmischen, landete hinter Gitter und wurde danach “krampfhaft” bürgerlich. Den Nazis aber erlag er nicht, und die steckten ihn nach Buchenwald, Majdanek, Auschwitz und Mauthausen. Den Krieg überlebte er nur wenige Tage. Die Biografie ist “schnörkellos, sachlich.”