Warum studiert, warum lehrt man Literaturwissenschaften? Welche Bedeutung haben Literatur und Kunst für die Gesellschaft? Wieviel Tradition braucht das Theater und wie wenig Experiment ist bekömmlich? Wie soll man Klassiker inszenieren? Um solche Fragen kreist das neue Buch von Jan Philipp Reemtsma, das sechs Texte versammelt, denen allen eines gemeinsam ist: die Überzeugung, dass eine Gesellschaft, die keine Achtung mehr vor ihrer eigenen Kultur hat, der ihre eigene Unbildung gleichgültig geworden ist, nicht nur ernsthaft gefährdet, sondern im Grunde hoffnungslos ist. Wenn selbst die Bildung einer kulturellen Elite für überflüssig gehalten wird, weil man ihr Wertschöpfungspotential nicht zu beziffern vermag, dann hat der Ausverkauf der eigenen literarischen Tradition begonnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2006
Eine vehemente Verteidigung der Autonomie der Kunst findet Rezensent Malte Herwig in diesen Reden über Kunst und Literatur von Jan Philipp Reemtsma. Er attestiert dem Autor einen "geradezu altmodischen Kulturernst". Die im strengen Ton gehaltenen Reden scheinen ihm getragen von einem auffällig elitären Kunst-Verständnis und der Verachtung von Massenkultur, Fernsehen und Spaßgesellschaft. Herwig sieht Reemtsmas Hoffnung dann auch in einer kulturellen Elite, die das "unaufhebbare Nichtbescheidwissen der Mehrheit" kompensieren soll. Dabei unterstreicht er den Appell des Autors an eben diese kulturelle Elite, selbstbewusst ihre Privilegien zu nutzen und kulturelle Verantwortung zu übernehmen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.01.2006
Der Band versammelt sechs Reden des Kulturtheoretikers Jan Philipp Reemtsma. Er zeigt den Autor, wie der Rezensent Martin Krumbholz in seiner kurzen Notiz findet, souverän auf dem Grat zwischen Faszination für die Moderne und dem Sinn für Bewahrung der Tradition wandelnd. So befasst sich Reemtsma mit neueren Theorien zur Art, in der Metaphern Bedeutung erzeugen - etwa mit den Philosophen Richard Rorty und Donald Davidson -, betont im Gegenzug aber die Notwendigkeit, weiterhin auf die bewährte Kraft von Symbol und Metapher zu bauen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2005
Mit großer Zustimmung hat Rezensent Gustav Seibt diese Reden über Literatur und Kunst von Jan Philipp Reemtsma gelesen. Er begrüßt Reemtsmas Akzentuierung der Eigenlogik der Kunst. Dessen Auffassung, Kunstschönheit sei eine Komposition, selbstbezüglich und untauglich zur Kommunikation, aber tauglich zur Kommunikation über sie, kann er nur beipflichten. Er würdigt Reemtsmas Überlegungen zur Bedeutung dieser Kommunikation zweiter Stufe. Im Grunde genommen verkünde Reemtsma "sehr einfache Wahrheiten". Allerdings zwinge er sich und seine Zuhörer dabei, diesen Wahrheiten über Umwege wie Luhmanns Systemtheorie und Rortys Metapherntheorie näher zu kommen. Richtig erscheinen Seibt auch Reemtsmas Einwände gegen "jene Unkultur der Unmittelbarkeit", "in der sich ein Regietheater, das uns regelmäßig mit den Geschlechtsorganen der Schauspieler bekannt macht, mit den Nachmittagstalkshows trifft, in denen sich Nachbarn vor Nachbarn entblößen." Insgesamt kann er das Buch insbesondere Anfängern und Studierenden "als Vademecum beim Weg durch die Institute" ans Herz legen.
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