Volker Hage

Die freie Liebe

Roman
Cover: Die freie Liebe
Luchterhand Literaturverlag, München 2015
ISBN 9783630874685
Gebunden, 160 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Anfang der siebziger Jahre kommt Wolf Wegener aus Lübeck nach München, um dort zu studieren. Er träumt davon, später einmal Regisseur zu werden. Vorerst aber genießt er es, endlich der Enge des Elternhauses und seiner Heimatstadt sowie den eingefahrenen Bahnen der Beziehung zu seiner Freundin Anna zu entkommen und die Freiheit der Großstadt zu genießen. In einer Wohngemeinschaft im Münchner Norden findet er bei dem Pärchen Andreas und Larissa ein Zimmer. Der vernünftige, sanfte Andreas und die gefühlsbetonte Lissa, wie sich Larissa nennt, sind zu Wolfs Erstaunen "tatsächlich" verlobt - eine Konzession an Andreas' konservative, katholische Eltern, aber auch eine Konzession an Larissas unterschwelliges Sicherheitsbedürfnis. Und doch führen die beiden eine "offene" Beziehung, in der Lissa - mit Wissen und Akzeptanz von Andreas - auch eine kleine Affäre mit einem anderen Mann hat: "Man ist eben heute nicht mehr eifersüchtig", wie Wolf verwirrt feststellt, als er davon erfährt. Wolf seinerseits flirtet gerne mit den Frauen, denen er im Citta 2000 oder in den Diskotheken der Stadt begegnet. Sobald eine Frau aber zu erkennen gibt, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt, tritt er die Flucht an...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.07.2015

Der langjährige, jetzt pensionierte Spiegel-Literaturkritiker Volker Hage legt mit "Die freie Liebe" seinen ersten Roman vor. Darin geht es um die nicht nur technische und kulturelle, sondern vor allem auch sexuelle Aufbruchstimmung der frühen siebziger Jahre, wie sie ein Münchner Student erlebt. Dieser findet sich, vom Land in eine WG gezogen, daselbst bald in einer Dreiecksbeziehung wieder, erklärt Rezensent Moritz Baßler, der eher etwas ungehalten auf die hochliterarischen Ambitionen des Autors reagiert. Zwar "well-made das Ganze", aber der Text referenziere vor allem liebgewonnene Werke, die sich ebenfalls mit unkonventionellen Liebesbeziehungen befassen, verweigere aber die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema und verstricke sich in Widersprüche, so der Kritiker, der zudem noch die Nase darüber rümpft, dass das Buch gefährlich nahe an der Grenze zum Altherrenkitsch siedele. Dass Hage zudem weder die Euphorie, noch den Absturz einer solchen komplizierten Liebesbeziehung literarisch zu fassen kriege oder gar vermittle, vergällt ihm die Lektüre genauso wie die Tatsache, dass sich das Buch für die weibliche Figur als Objekt der Begierde und deren seelische Lage kein Stück weit interessiere.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2015

Wohlwollend bespricht Rezensent Martin Halter "Die freie Liebe", das Romandebüt seines Kritikerkollegen Volker Hage. Zunächst einmal hält er dem nicht mehr ganz jungen Debütanten zugute, dass seine autobiografischen Lebens- und Liebeserinnerungen an die Siebziger in Schwabing im Gegensatz zur Vielzahl vergleichbarer Lebensrückblicke auf Ironie und "faunisch-feixendes Gelächter" verzichten und stattdessen würdevoll und demütig daherkommen. Und so liest der Kritiker in den Tagebuchaufzeichnungen von Hages Alter Ego Wolfgang die nüchtern und jugendfrei notierten Erinnerungen an eine offene Dreierbeziehung und an sonstige Liebeserlebnisse. Bisweilen erscheint ihm Hage als "Werther" der Nouvelle Vague, keineswegs aber als deutscher Updike: Radikalität und Innovation sucht der Rezensent hier vergeblich.
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