Vladimir Sorokin

23000

Roman
Cover: 23000
Berlin Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783827007018
Gebunden, 332 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Andreas Tretner. Nahe dem Fluss Tunguska in der sibirischen Taiga ereignete sich am 30. Juni 1908 eine unerklärliche Explosion, die Hunderte Quadratkilometer Wald zu Boden drückte. Meteoriteneinschlag? Unterirdischer Vulkanausbruch? Schwarzes Loch"? Ein Rätsel, das Forscher und Esoteriker bis heute beschäftigt. Eine Expedition sowjetischer Wissenschaftler bricht im Jahr 1928 zum Ort des Geschehens auf. Der Mathematikstudent Alexander Snegirjow schließt sich an, den die bolschewistische Revolution aller Wurzeln beraubt hat. Zurückkehren wird er als ein ganz anderer: Bro ist sein Name, und er hat gelernt, die Naturkatastrophe als einen glücklichen Wendepunkt der Weltgeschichte zu begreifen. Schon Vladimir Sorokins letzter, viel diskutierter Roman "Das Eis" handelte von jenem kosmischen Urstoff, der die menschliche Gesellschaft wie ein Lackmuspapier prüft, in eine Elite von Hoffnungsträgern und eine todgeweihte Masse von Fleischmaschinen" scheidet. In seinem neuen Buch erfahren wir, was vorher geschah: wie die Sprache des Herzens", vom Eis entfacht, zum Fegefeuer auf Erden wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2010

Wolfgang Schneider zählt Vladimir Sorokins Ljod-Trilogie zu den "bedeutendsten Werken" des russischen Autors. Auch wenn der abschließende Teil "23000" den Vergleich zum Mittelstück "Bro", das der Rezensent als "Meisterwerk" würdigt, seines Erachtens nicht ganz standhalten kann, scheint er insgesamt doch zufrieden mit dem Band, in dem wieder einmal im selbstverständlich realistischen Ton der Eishammer der menschenverachtenden Ljod-Sekte zum Einsatz kommt. Bisweilen fühlt er sich bei der Dramaturgie von "23000" an ein "Blockbuster-Drama" erinnert, gehen hier doch einige Menschen, die die Eishammer-Prozedur der Sekte überlebt haben, in den Widerstand. Besonders gelungen findet Schneider einige beklemmende und düstere Albträume, während ihn die Kapitel, die unter den Sektierern spielen, nicht immer überzeugen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.07.2010

Um diesen Roman und die Karriere des Schriftstellers Vladimir Sorokin zu erklären, erläutert der Rezensent Jan Füchtjohann die Herkunft des Autors aus der Tradition des "Moskauer Konzeptualismus". Es sei dabei immer um die sehr gezielte Vermischung des Hohen und des Niederen - a la Duchamp - gegangen, eine Kunst des Zitats, die aus dem Gegensatz ihre Effekte zieht. Die Nähe zu Trash und Pulp im Werk Sorokins rühre genau daher. Um Parodie in einem einfachen Sinn gehe es dabei grundsätzlich und auch in der mit diesem Band zu ihrem Ende gelangenden "Ljod"-Trilogie nicht, in der Sorokin mit seiner Geschichte eines Geheimbunds alle Register von Fantasy, Horror, Science Fiction und Pornografie ziehe. Manches daran sei nachgerade unlesbar, und schlau werde man ohne weiteres auch nicht draus. Was nicht heißt, dass es nicht doch konzeptuell genau so gemeint sein dürfte. Nicht zuletzt gehe es Sorokin nämlich immer auch darum, Aufmerksamkeit nicht nur zu erregen, sondern die Erregungsmuster auf dem freien Markt vorzuführen, meint Füchtjohann.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2010

Vladimir Sorokins Abschlussband seiner Trilogie über eine weltweit agierende Sekte, die für Blonde und Blauäugige "irrwitzige Heilsversprechen" verkündet und allen anderen das Weltenende prophezeit, lässt es Judith von Sternburg eiskalt den Rücken herunterlaufen. Sie charakterisiert den letzten Teil als überwiegend krude erzählte Geschichte, die zugleich Anleihen beim Science-Fiction-, esoterischen, Fantasy- und Trivialroman tätige. Zugleich hat Sternburg darin meisterhafte Berichte zum Beispiel aus der Perspektive von "bizarren", unter der Erde hausenden Figuren gefunden. Dabei verbinde sich die Sektenideologie mit einem Vorbehalt gegen den "Konsumzwang", was der Rezensentin neben all den Abgedrehtheiten des Romans nun wieder gar nicht so abwegig erscheint. Alles in allem schwelgt Sorokin hier in einer Mischung aus "Verhohnepipelung und Kritik" an heilsbringenden Ideologien, und man gewinnt den Eindruck, dass er Sternburg bei allem Grausen auch Spaß gemacht hat.
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