Klappentext

Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von Dieter E. Zimmer. Nabokovs vierzehnter Roman - der erste aus der Zeit nach "Lolita" - gibt sich als die kommentierte Ausgabe eines 999 Zeilen langen Gedichts mit dem Titel "Fahles Feuer", verfasst von John Shade, einem bedächtigen neuenglischen Lyriker und Professor, der von einem Mörder erschossen wurde, ehe er die tausendste, die letzte Zeile zu Papier bringen konnte. Der Herausgeber ist sein Kollege, Nachbar und angeblicher Freund Charles Kinbote. Dessen Kommentar verfehlt jedoch Shades ernstes Poem, in dem es um den Selbstmord der schwierigen und hässlichen Tochter, um den Tod und die Wahrscheinlichkeit eines Lebens danach geht, auf eine so dreiste wie groteske Weise. Kinbote gibt sich nämlich als der exilierte König von Zembla zu erkennen, Carl der Vielgeliebte, der Shade nicht dazu bringen konnte, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, und der es nun in Form von Anmerkungen zu "Fahles Feuer" selber tut. Ihm galt, so meint er, auch die Kugel, die Shade tötete. Freilich ist zweifelhaft, ob es sich so verhält.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.06.2008

Ulrich M. Schmid ist Nabokov-Fan, kein Zweifel. Die Rätselkunst des Autors, die in diesem so genannten Roman einen Höhepunkt erreicht, macht ihm Spaß. Schmid widerspricht der vermeintlichen Unlesbarkeit des Textes zwar nicht, gibt uns aber genügend Hinweise, um die Schachtelkonstruktion des Buches aus Gedicht und Kommentar, angesiedelt auf zwei verschiedenen Handlungsebenen, nachzuvollziehen. Weiter sei die Kombinationslust des Lesers gefragt, erklärt Schmid, weist aber zugleich darauf hin, dass sich Nabokov, indem er die Interpretation und ihre Verfahrensweisen thematisiert, gegen eine reduktionistische Auslegung verwahrt. Für Schmid geht das in Ordnung, hält er dafür doch ein Buch in Händen, das nicht nur in höchstem Maß die Literatur, sondern auch den Autor Nabokov stilisiert, indem es ihn gleich in beiden Hauptfiguren, dem Dichter und dem Interpreten spiegelt, und das jede Menge Lesegenuss bietet. Den Herausgeber Dieter E. Zimmer lobt Schmid als jemanden, der Buch und Leser akribisch genau und mit weiser Zurückhaltung begleitet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008

Mit der ausführlichen Vorstellung eines Schachproblems, bei dem man vom erreichten Stand auf die ihm mit Notwendigkeit vorausgehenden Züge zurückgeht, eröffnet Jürgen Kaube seine Kritik zu Vladimir Nabokovs wohl schwierigstem Buch "Fahles Feuer". Klar, was der Rezensent damit sagen will: Dieses Werk ist vertrackt wie ein Schachproblem. Schon die Genrezuordnung ist eigentlich unmöglich. Ein Herr Dr. Charles Kinbote kommentiert ein von ihm herausgegebenes, 999 Zeilen umfassendes autobiografisches Gedicht eines Autors namens John Francis Shade. Die Kommentare sind freilich undiszipliniert, und irgendwann ist sogar überhaupt nicht mehr klar, ob vielleicht Shade eine Erfindung von Kinbote ist - oder gar Kinbote eine Erfindung von Shade. An der Raffinesse der Angelegenheit hat Kaube keinen Zweifel, ist aber doch nicht ganz sicher, ob Nabokov hier nicht ein wenig die Kontrolle über seine Verrätselungsverfahren verloren hat. Nichts auszusetzen gebe es an Dieter E. Zimmers "sorgfältiger" Kommentierung und Übersetzung. Daran, dass die Lektüre von "Fahles Feuer" einfach "anstrengend" ist, ändert das aber nichts.
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