Michael Maar

Lolita und der deutsche Leutnant

Cover: Lolita und der deutsche Leutnant
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518417164
Gebunden, 100 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Mit zwei Erzählungen Heinz von Lichbergs. Gibt es für Nabokovs Skandalroman "Lolita" ein bisher unbekanntes Vorbild? Michael Maar deckt verblüffende Parallelen zum Werk eines heute vergessenen deutschen Journalisten auf.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.11.2005

Der Literaturwissenschaftler Michael Maar hat eigentlich aus einer "Marginalie" ein ganzes Buch gemacht, findet Hannelore Schlaffer, die vergnügt feststellt, dass dabei ein Stück "unterhaltsame Wissenschaftspoesie" herausgekommen ist. Der Autor breitet darin seinen Fund einer Novelle mit dem Titel "Lolita" von Heinz von Eschwege-Lichberg aus, die bereits vor Nabokovs berühmtem Roman 1916 erschienen ist, was üblicherweise nicht viel mehr als eine "Fußnote" wert gewesen wäre, wie die Rezensentin meint. Maar mache daraus ein "amüsantes" Buch, in dem er sich detektivisch auf die Spur dieser Vorlage begibt, wobei er allerdings nicht selten "an die Grenzen gelangt, was Interpreten erlaubt ist", so Schlaffer weiter. Nur mit Lust am "Halbernst" und "Witz" beispielsweise könne der Leser der Assoziationskette folgen, die den Autor auf verschlungenen Wegen zur Osramschen Glühbirne und von dort zu Lichberg führt, räumt die Rezensentin ein, die an der Lektüre aber offensichtlich Spaß gehabt hat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2005

Eine kleine Sensation war es, so Rezensent Ulrich M. Schmid, als der Literaturkritiker Michael Maar im Frühjahr 2004 Heinz von Lichbergs Novelle "Lolita" entdeckte, die im Kern die Handlung von Vladimir Nabokovs Meisterwerk "Lolita" enthalte. Die von Maar daraufhin entwickelte "Kryptomnesie-These", nach der Nabokov die Novelle des "drittklassigen" von Lichberg zur Kenntnis genommen, vergessen und später unbewusst aufgegriffen habe, stieß jedoch auf Skepsis unter Nabokov-Experten. Mit dieser knappen Monografie fundiere Maar seine These und liefere eine ganze Reihe von - wie der Rezensent findet - "überzeugenden" Textstellen, die sogar auf eine "bewusste Anspielung" Nabokovs, der als Meister und Liebhaber der Mystifikation bekannt ist, auf Lichbergs "Ur-Lolita" schließen lassen. Mit endgültiger Sicherheit lässt sich auch nach diesem Band nichts behaupten, bemerkt der Rezensent. Sicher sei jedoch, dass Maar dem Leser ein "Kabinettstück literarischer Spürarbeit" in Gestalt eines "elegant" geführten "Indizienprozesses" biete, "in dem sich das Zufällige in Wahrscheinliches verwandelt".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.09.2005

Anhand von An Nas Einwandererroman stellt Angelika Ohland fest, dass in heutigen Sozialdramen nicht mehr von vornherein feststeht, wer die Guten und wer die Bösen sind. Der Plot sei dabei ein sehr konventioneller: Ein koreanisches Mädchen und seine Eltern wandern nach Amerika aus, und während sich das Kind durch Bildung integrieren kann, bleiben die Eltern ausgeschlossen, die Familie geht kaputt. Das Besondere sei jedoch, dass An Na die Geschichte strikt aus der Sicht des Mädchens erzählt, so dass die Erzählung unter narrativen Gesichtspunkten dann doch alles andere als konventionell sei. Das Fazit der Rezensentin: ein überraschend "respektabler Roman aus diesen Zutaten gängiger Sozialdramen".

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